Der Süden Malaysias: Ein Holländer, ein Portugiese und ein Engländer…

An den schönen Ufern des Melaka Rivers...

An den schönen Ufern des Melaka Rivers…

Am 30. November verliessen wir unser zentral gelegenes Hotel in Kuala Lumpur um per Monorail, Zug und Bus nach Melakka, der Perle im Südwesten Malaysias, zu fahren. Melakka hat eine sehr bewegte Geschichte geprägt von Eroberern und Seeräubern hinter sich. Das Zentrum der Stadt ist nicht umsonst zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden, denn die Spuren der vielseitigen Verangenheit sind noch deutlich zu erkennen.

Wie am Schnürchen klappte unsere Fahrt von Kuala Lumpur in die Provinzhauptstadt Melakka. Obwohl wir mehrfach umsteigen mussten und auf der Autobahn ziemlich lange im Stau wegen einer Baustelle standen, erreichten wir am frühen Nachmittag das Stadtzentrum. Nach einer kurzen Orientierungsphase begriffen wir auch, wo genau wir vom Stadtbus abgesetzt waren und fanden dann sehr schnell die Ecke von Chinatown, wo sich die Unterkünfte befinden. Der Haken an der Geschichte war nur, dass es gerade Samstag war und viele Besucher aus anderen Teilen Malaysias und aus Singapur ein Zimmer für das Wochenende reserviert hatten. Schliesslich fanden wir doch ein nettes Zimmer und waren dann auch bereit den geforderten Preis zu zahlen.

Chinatown in Melaka

Chinatown in Melaka

Da es schon später am Nachmittag war und wir seit dem Frühstück nichts gegessen hatten, erkundeten wir uns gleich nach einem Restaurant, welches sogenanntes Nyonya Essen serviert. Die Babas (Männer) und Nyonyas (Frauen) sind die Nachfahren von chinesischen Männern, welche vor einigen Generationen eine malaysische Frau geheiratet hatten, um so das Aufenthaltsrecht im Land zu sichern. Aus der Vermischung der chinesischen und malaysischen Küche entstand eine eigene Esskultur. Alle Anwesenden zeigten sofort auf ein Restaurant in der Nähe unserer Unterkunft und wir machten uns gleich auf den Weg. Zum Glück! Wir erhielten noch zwei Plätze im Raum ganz hinten im Haus im oberen Stockwerk. Ansonsten war das Restaurant bereits voll. Bis wir das ausgezeichnete Essen verzehrt hatten standen die Leute bereits Schlange vor dem Haus und es war noch vor der eigentlichen Essenszeit…
Das holländische Viertel von Melaka

Das holländische Viertel von Melaka

Nach dem reichhaltigen Essen machten wir noch einen Verdauungsspaziergang durch Chinatown und das holländische Viertel ehe wir am Nachtmarkt auf dem berühmten Jonkers Walk noch malaysisches Dessert, das Cendol ausprobierten. Seit Alor Setar stand das geschabte Eis mit den süssen Zutaten ganz oben auf meiner Wunschliste, jedoch kam irgendwie immer etwas dazwischen, wenn wir es ausprobieren wollten. Diesmal klappte es und das kühle Dessert half etwas den überfüllten Magen zu entspannen.
Der heilige Paulus erhält einen frischen Blumenkranz

Der heilige Paulus erhält einen frischen Blumenkranz

Am nächsten Tag erkundeten wir das historische Zentrum Melakkas etwas genauer. Nach dem Frühstück in Chinatown durchquerten wir diese und erreichten das holländische Viertel und den Hügel mit der St. Paul Kirche. Für uns eher ungewohnt stand der heilige Paulus mit Blumenkränzen dekoriert auf einem Sockel. Gerade als wir ankamen erhielt er seinen zweiten Kranz. Wir genossen die Aussicht über die Stadt und stiegen auf der gegenüberliegenden Seite wieder vom Hügel.
Einmalige Kunstwerke: die Rikschas von Melaka

Einmalige Kunstwerke: die Rikschas von Melaka

Immer wieder in der Nähe der Sehenswürdigkeiten stösst man in Melakka auf mindestens eine der vielen Rikschas. Um Fahrgäste in dem hart umkämpften Geschäft anzulocken, sind die Rikschas sehr fantasievoll in asiatischem Stil geschmückt. Dazu kommt die Musik aus dem Handy, welche über eine potente Endstufe und einen riesigen Lautsprecher die ganze Stadt erschallen könnte.
Wir entschieden uns zur Abwechslung mal wieder für einen etwas grösseren Spaziergang. Nämlich folgten wir dem Melakka Fluss flussaufwärts auf dem wunderschön gestalteten Steg bis zu dessen Ende. Das koloniale Erbe und die bunten Farben und Malereien erzeugen wie auch in George Town eine sehr malerische Umgebung. Am Ende des Steges und der nicht funktionierenden Monorail stärkten und erfrischten wir uns mit einem weiteren zuckersüssen Zitronensaft. Zuckersüss deshalb, weil alle Getränke in Malaysia wohl 4 Teelöffel Zucker enthalten, wenn man nicht ausdrücklich mit wenig Zucker bestellt.
Traditionelle Holzhäuser in Melaka

Traditionelle Holzhäuser in Melaka

Auf dem Rückweg in Richtung des historischen Zentrums spazierten wir zufällig durch ein Viertel mit gut erhaltenen alten Holzhäusern sowie über den Bukit Cina, den grossen chinesischen Friedhof, welcher sich über einen ganzen Hügelzug erstreckt.
Gräber auf dem Bukit Cina, dem alten chinesischen Friedhof in Melaka

Gräber auf dem Bukit Cina, dem alten chinesischen Friedhof in Melaka

Lee, ein englischer Angestellter des Guesthouses, in welchem wir übernachteten, organisiert für ausländische Gäste einen sogenannten Dinner Club. Dabei macht er ein paar Vorschläge, welche man zusammen mit ihm und anderen Gästen zum Abendessen ausprobieren könnte. Dabei handelt es sich um eher exklusive Orte, etwas ab von typischen Touristenpfaden. Da er für den Sonntagabend vorhatte im Sikh-Tempel zum Essen zu gehen, schlossen wir uns an. Die Sikhs, eine religiöse Gruppe, welche ursprünglich aus dem indischen Staat Punjab stammt, bietet pro Tag drei Mahlzeiten, das sogenannte Langar, gratis an. Es ist ein Dienst, der allen Menschen offen steht in Anspruch zu nehmen. In unserem Fall gingen wir erst durch den Tempel und lauschten der Musik und dem Abendgebet etwas zu, ehe wir uns auf den Weg in die Gemeinschaftsküche machten. Nach dem Essen hatten wir noch die Gelegenheit, etwas mit den anwesenden Sikhs zu reden. Wir erfuhren einige Dinge über ihr Leben und den Hintergrund der Gemeinschaftsküche.
Zu Besuch in der Masjid Selat Melaka auf der Melaka Insel

Zu Besuch in der Masjid Selat Melaka auf der Melaka Insel

An unserem zweiten Tag in Melakka spazierten wir zunächst auf die Melakkainsel, wo wir hofften, etwas spannendes zu entdecken. Wir fanden eine auf Stelzen gebaute moderne Moschee und ansonsten nur viele Baustellen für neue Wohnungen. Zurück in der Stadt hatten wir geplant zwei Museen zu besichtigen, einerseits das Islamische Museum und andererseits das Baba-Nyonya Museum. Während ersteres am Montag geschlossen war, machten die Aufpasser beim zweiten gerade Mittagspause. So machten wir auch erst einmal Mittagspause nach welcher Lenka das Museum besuchte und ich meinen Blogartikel fertig machte und mich etwas ausruhte, da ich die Nacht zuvor nicht gut geschlafen hatte. Wir erfuhren später, dass der Kühlschrank im Guesthouse nachts immer Lärm macht…
Zum Abendessen machten wir uns noch einmal auf einen etwas längeren Spaziergang zum portugiesischen Viertel. Wir hatten gelesen, dass es dort nicht sehr viel zu sehen, aber mal wieder etwas Leckeres zum Essen gab. Dies konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Neben den doch sehr touristischen Restaurants welche einen Fisch nach portugiesischer Art gebacken anboten, fanden wir dann die Wohnhäuser der Nachfahren der Portugiesen doch sehr interessant. Die kleine Bevölkerungsgruppe von rund 2000 Personen lebt heute mehr oder weniger freiwillig an einem Ort konzentriert in Melakka. Da die Portugiesen das Christentum nach Malaysia brachten, sind die Nachfahren auch heute noch Christen, was man an den kleinen Kreuzen über den Fenstern und Türen der Häuser erkennen kann. Ein weiteres Merkmal war, dass nach dem 1. Advent tags zuvor, alle Häuser weihnächtlich dekoriert waren.
Bei Dunkelheit fanden wir den Weg zurück zu unserem Guesthouse, wo wir am nächsten Morgen einmal mehr unsere sieben Sachen packten und uns auf den Weg weiter Richtung Süden machten. Doch zunächst besichtigen wir noch das Islam Museum, welches uns die Grundlagen des Islams erläuterte und wie der Islam seinen Weg nach Malaysia fand. Nach dem Frühstück suchten wir dann einen Bus nach Muar, rund eine Fahrstunde südlich von Melakka gelegen. Wir hatten gelesen, dass es einen Bus geben sollte, welcher durch das Stadtzentrum fahren würde. Diese Information erwies sich als fehlerhaft und schlussendlich sassen wir im Stadtbus zum Hauptbusbahnhof von Melakka, Malacca Sentral, von wo aus wir mit einem weiteren Stadtbus die gut 40 km nach Muar hinter uns brachten.
Einfache Navigation: die rosafarbene Strasse in Muar

Einfache Navigation: die rosafarbene Strasse in Muar

Wir wurden komisch angeschaut, als wir den Leuten sagten, dass wir nach Muar fahren wollten. Es gäbe dort doch nichts zu tun und nichts zu sehen. Für uns hat sich er Zwischenstopp auf jeden Fall gelohnt, denn das kleine Städtchen mit der kolonialen Architektur und den bunten Strassen hat Charakter. Dadurch dass gewisse Strassen in einem Farbton (pink, gelb und blau) gehalten sind, ist auch die Navigation sehr einfach.
Moschee in britischer Bauweise: Masjid Jamek in Muar

Moschee in britischer Bauweise: Masjid Jamek in Muar


Hawker center in Muar wo man die lokale Spezialität Otah-otah ausprobieren kann

Hawker center in Muar wo man die lokale Spezialität Otah-otah ausprobieren kann

Da man als weisser Ausländer auch wieder auffällt, gibt es mal wieder neugierige Blicke und das ein oder andere nette Gespräch mit den aufgeschlossenen und freundlichen Leuten. Wir genossen einige weitere lokale Spezialitäten aus dem Ort zum Abendessen, bevor wir am kommenden Morgen zu unserem letzten Etappenort in Malaysia, nach Johor Bahru fuhren.
Einen Besuch nicht wert? Nicht einverstanden!

Einen Besuch nicht wert? Nicht einverstanden!

Nahe des Bahnhofes in Johor Bahur fanden wir die Jalan Meldrum, die Strasse mit einigen günstigen und weniger günstigen Hotels. Wir fanden etwas passenden und checkten gleich für die kommenden drei Nächte ein. Wir nutzten den Rest des Tags für einen Rundgang in der Stadt, die wohl einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, aber nicht sehr attraktiv ist. Für die kommenden zwei Tage hatten wir denn auch Ausflüge geplant.
Sultan Ibrahim Building in JB: Viel Beton aber wenig zu sehen

Sultan Ibrahim Building in JB: Viel Beton aber wenig zu sehen

Den ersten Ausflug in Johor Bahru sollte dem Legoland gelten. Wir hatten den Busfahrplan noch am Abend zuvor studiert, so dass wir wussten, wann und wo die Busse fahren. Bei strömendem Regen warteten wir im Trockenen auf den Bus, welcher uns zum Legoland brachte. Da es immer noch unaufhörlich regnete, erkundigten wir uns an der Kasse erst einmal, welcher Anteil des Legolandes denn draussen sei. Da dies die Mehrheit war und die nette Dame von einem Besuch bei Regen abriet, entschieden wir uns, einen Kaffee in der nahe gelegenen Mall trinken zu gehen und abzuwarten, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Leider wurde es nicht besser und so beschlossen wir, unser Geld anderswo auszugeben. Das Johor Premium Outlet (JPO) bot sich dazu hervorragend an. Da wir einige Beschaffungen zu machen hatten, stiegen wir in den nächsten Bus zum JPO. Auf dem selben Bus trafen wir zwei Philippinen, welche gerade in Singapur auf einer Tagung waren und einen freien Tag einlegten. Wir sollten sie den Rest des Tage noch ein paar Mal treffen, was immer wieder in lustigen Konversationen endete.
Der Hauptsteg in Kukup

Der Hauptsteg in Kukup

Der letzte Ausflug dieser Reise in Malaysia galt dem kleinen Fischerdörfchen Kukup, ganz im Südwesten der Halbinsel gelegen. Auf das Frühstück beim Inder gegenüber vom Hotel folgte ein kleiner Busmarathon, diesmal mit zwei Mal umsteigen. Doch nach rund 2 Stunden Reisezeit trafen wir im verschlafenen Kukup ein und versuchten uns etwas zu orientieren. Wir fanden bald den Hafen, wo die Fähren Richtung Indonesien ablegten. Nach Indonesien zu fahren stand nicht auf dem Programm, aber eine kleine Bootsrundfahrt, wie sie uns angeboten wurde, klang verlockend. So sagten wir einem der Bootsfahrer zu und schneller als wir denken konnten befanden wir uns auf einem Touristenboot, welches gleich losschipperte. Nach einem kurzen Zwischenhalt im noch ein paar Leute zusätzlich einzusammeln, legten wir bald bei einer der schwimmenden Fischfarmen an. Die Erklärungen gab es leider nur in Mandarin, so dass wir nicht zu 100% folgen konnten, aber wir erhielten einen Eindruck, welche Fische gezüchtet wurden. Wir hatten gedacht, dass die Fahrt nach der Fischfarm noch etwas weiter ging, hatten uns jedoch geirrt. Auf direktem Weg wurden wir zurück zur Anlegestelle gebracht.
Zu Fuss machten wir uns auf den Weg, noch etwas das auf Stelzen gebaute Dörfchen anzuschauen, ehe wir zu einem frischen Fisch zum Mittagessen einkehrten. Der Fisch schmeckte und die getrockneten und gebratenen Tintenfischen rochen ein bisschen, waren jedoch auch Ok.
In freudiger Erwartung, dass bald ein Bus fahren würde, setzten wir uns am Busbahnhof in den Schatten. Nach rund 45 Minuten Wartezeit und weit und breit kein Bus in Sicht, sprach uns ein Taxifahrer an, ob er uns nach Pontian bringen könnte. Da der Preis nur geringfügig höher war als der Bus sagten wir zu und setzten uns in sein Taxi, welches wohl aus den achtziger Jahren stammte. Ohne Zwischenfall wurden wir in Pontian am Busbahnhof abgeliefert und sassen rund 15 Minuten später im Bus nach Johor Bahru.
In den Malls im Zentrum von Johor Bahru schauten wir uns noch nach Schnäppchen um, konnten aber leider keine mehr finden. Zum letzten Mal für einige Zeit assen wir auf der Strasse parallel zur Jalan Meldrum ein leckeres, frisch zubereitetes Essen, ehe wir uns ins Hotel zurückzogen um uns mental auf die letzte kurze Strecke unserer Reise vorzubereiten.

2 Gedanken zu „Der Süden Malaysias: Ein Holländer, ein Portugiese und ein Engländer…

  1. Echt wunderschöne Häuser und Landschaften! Ich war zwar schon mal in China, dort gibt es zwar sehr viele moderne Hochhäuser aber schön ist es alles nicht. Ich mag liebe die kleinen Häuser in einem sauberem Umfeld mit wenig Luftverschmutzung.

    • Die saubere Luft ist leider heutzutage viel zu selten anzutreffen in China. Eine Reise lohnt sich speziell im September/Oktober (wobei in der ersten Oktoberwoche auf Grund der Nationalfeiertagswoche (Golden Week) sehr viel los ist). Die Gegend zwischen Guiyang und Guilin bietet sich speziell an, um kleine Dörfchen und wunderschöne Landschaften zu sehen, inklusive der Reisterrassen von Longji (Longjititian).

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