Belagerungszustand

Nach meiner langen Reise gestern von Bihac nach Sarajevo, war gestern abend und heute die Besichtung der Stadt angesagt. Bei einer Tour mit meinem Gastgeber, welcher den Bosnienkrieg in Sarajevo miterlebt hat, durch die Stadt und zum Tunnelmuseum, habe ich einiges über die damaligen und heutigen Zustände in der Stadt und in Bosnien erfahren.

Erst mal tief durchatmen! Das war die Devise, als ich aus dem völlig überhitzten Bus ausgestiegen bin. Nächster Schritt war, einen Stadtplan zu organisieren und mich auf die Suche nach einer Unterkunft zu machen. Auf etwas umständliche Art und Weise landete ich schliesslich im Residence Hostel, einem schmucken Hostel, mitten in der Altstadt, zwischen dem alten europäischen und dem türkischen Teil.

Der türkische Teil der Antstadt von Sarajevo

Der türkische Teil der Antstadt von Sarajevo

Die vergangenen anderthalb Tage waren die ersten, welche ich auf dieser Reise nicht alleine, sondern gemeinsam mit einem anderen Reisenden verbracht habe. Dabei handelt es sich um einen Amerikaner, welcher seit 12 Jahren als Reisender unterwegs ist und mittlerweile sogar davon leben kann. Details dazu gibt’s natürlich auf seinem Blog, Wandering Earl.
Gestern abend hatten wir das gemeinsame Ziel, etwas Essbares zwischen die Zähne zu bekommen. Wir landeten in einem muslimischen Lokal, wo es vorwiegend Fleisch zum Essen gab. Sogleich tappte ich in den ersten Fettnapf und bestellte ein Bier. Die Kellnerin machte mich dann freundlich darauf aufmerksam, dass ich mich doch besser für ein nicht alkoholisches Getränk entscheiden sollte…
Anschliessend tappten wir durch die Gassen von Sarajevo, um schliesslich in einem Kaffeelokal einen richtig starken Espresso zu trinken. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich freiwillig Zucker in meinen Espresso schüttete. Ich hätte bestimmt zwei Tage lang nicht mehr schlafen können, so stark war der Kaffee.
Die Fronten bei der Belagerung von Sarajevo

Die Fronten bei der Belagerung von Sarajevo

Heute morgen tauschten wir uns dann bei Frühstück über unsere Pläne für den Tag aus. Wir entschieden uns dann, gemeinsam an der Tour zum Tunnel Museum teilzunehmen. Diese Tour wurde durch unseren Gastgeber durchgeführt. Wir fuhren in seinem Auto kreuz und quer durch die Stadt und er erklärte uns, welche Gebäude vor dem Krieg schon standen und beschädigt oder sehr stark zerstört wurden und welche Gebäude erst nach dem Krieg erbaut wurden. Erschreckend von jemandem, der den Krieg miterlebt hat und genau wusst, wo die gegenerischen Scharfschützen sassen und wo man damals entlanggehen/rennen/fahren konnte und wo man sich nur unter schwerstem Beschuss bewegen konnte.
Der Tunneleingang

Der Eingang zum Versorgungstunnel, durch welchen Sarajevo 4 Jahre lang mit dem Lebensnotwendigsten unterstützt wurde

Das Tunnelmuseum, wohin unsere Ausfahrt uns schlussendlich führte, war der Eingang zum Versorgungstunnel, durch welchen die Stadt, während den 4 Jahren Belagerung durch die serbische Armee, versorgt wurde. 2000 – 3000 Personen pro Tag wurden durch den 800m langen, teilweise nur 85cm hohen und 1m breiten Tunnel geschleust. Dieser führte quer unter der Start- und Landebahn des Flughafens von Sarajevo, zwischen den beiden Fronten des Krieges, hindurch. Das Museum selber ist relativ überschaubar, doch zeigt ein Film eindrücklich die damalige Situation und wie der Tunnel genutzt wurde. Während der Belagerung wurden in den Innenhöfen der Gebäude in der Altstadt Gemüse angepflanzt, um die Lieferungen, welche durch den Tunnel kamen, zu unterstützen.
Kriegsspuren in Sarajevo

Kriegsspuren in Sarajevo

Die Rundfahrt durch die Stadt zeigte auch auf, wie es vier Religionen geschafft haben und heute noch schaffen, so dicht nebeneinander zu leben. In einem Umkreis von wenigen hundert Metern befinden sich katholische und orthodoxe Kirchen, eine Synagoge und mehrere Moscheen. Die Bewohner von Sarajevo sind ein Vorbild für das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Völkern mit unterschiedlichen Religionen.
Zurück von der Tour war unser Ziel dann erst mal die Befriedigung von menschlichen Bedürfnisse. So liessen wir uns im Hostel beraten, wo wir denn bosnischen Essen und frische Säfte erhalten würden. In diesem Restaurant gab es sogar Bier zu trinken. Diese Möglichkeit liessen wir natürlich nicht ungenutzt…
Der Besuch des olypmischen Museums fällt leider aus, da das Museum bereits um 15:00 schliesst. Vielleicht entscheide ich mich morgen vor meiner Abreise Richtung Mostar noch spontan zu einem Besuch.