Plitvicka Jezera – Plitvitscher Seen

Für reiseverhältnisse früh fuhr heute der Bus von Zagreb zu den Plitvitscher Seen. Für einmal gab es keine Üeberraschungen, ein hätte es jedoch beinahe gegeben. In Plitvice durfte ich dann kroatische Gastfreundschaft kennen lernen.

Ist dir das auch schon passiert? Du begegnest oder beobachtest Menschen, von denen du denkst, dass sie so etwas von rücksichtslos und egoistisch sind? Gerade mal wieder so geschehen, als ich am Sonntagabend für Hostelverhältnisse sehr früh im Bett lag. Eine halbe Stunde war noch, bis zur offiziellen Nachtruhe. Insofern waren die amerikanischen Mädels voll im Recht, dass sie auch wenn ich schon im Bett lag, noch mit gewöhnlicher Lautstärke Gespräche führten. Da ich müde war, dachte ich meinen Teil, musste mich aber zum Glück nicht ärgern. Das wäre unter anderen Umständen anders gewesen. Bevor man über solche Leute urteilt, tut es gut, sich einmal selber an die Nase zu fassen und sich zu fragen, wann man das letzte Mal genauso ignorant war. Ich wette, es ist noch gar nicht lange her, dass man mitten in der Türe eine Diskussion führte, wo zig Kollegen sich noch durchquetschen mussten, oder aber man war sich selber beim Schlangestehen am nächsten und hat sich in der ein oder anderen Art vorgedrängelt.

Plitvitscher Seen: die oberen Seen

Plitvitscher Seen: die oberen Seen

Da dann Punkt 23 Uhr Ruhe im Haus war, schlief ich dann sehr gut, und mein innerer Wecker hat auch ausgezeichnet funktioniert, so dass ich wieder vor 7 Uhr ohne Wecker aufgewacht bin. Mein Gepäck hatte ich diesmal aus Rücksicht auf die Mitbewohner schon vorbereitet, so dass ich nur noch das nötigste einpacken musste. Auf dem Weg zum Busbahnhof habe ich noch erfolgreich Geld und Frühstück organisiert. Üeberpünktlich war ich dann am Busbahnhof und konnte dort noch in aller Ruhe den letzten starken Kaffee in Zagreb geniessen.
Der Bus fuhr diesmal nicht im Kreis, wurde auch nicht abgeschleppt, sondern es verlief alles normal. Für mich zumindest. Der asiatische Kollege drei Reihen vor mir hatte eine eher unangenehme Reise, denn nach einer Stunde Fahrt stellte er fest, dass er auf Toilette gehen musste. Die Toilette im Bus war, wie häufig, abgeschlossen und der Busfahrer hatte auch kein Interesse das zu ändern. So wurde aus einem initial fröhlichen, ein doch zunehmend verzerrtes Gesicht. Erleichert konnte auch der Fahrgast bei den plitvitscher Seen aussteigen und erst einmal seinem Bedürfnis nachkommen. Gerade noch einmal gut gegangen (zumindest habe ich nichts gerochen und keine nasse Hose gesehen).
Mein Plan in Plitvice war zunächst eine Unterkunft zu suchen. Dazu machte ich mich auf den Weg zur Touristen Information (Turist Biro). Der Herr an der Theke sprach fliessend deutsch und riet mir, erst die Seen zu besuchen und erst danach eine Unterkunft zu suchen. Mein gepäck könne ich solange gegen eine kleine Gebühr bei ihm abstellen. Dafür organisierte er mir bei meiner Rückkehr auch eine Unterkunft und liess mich abholen.
Für den Besuch der Seen gibt es eine Hand voll Besichtigunsvorschläge. Für mich kam die zweitlängste Variante (4-6 Stunden, die längste hätte 6-8 Stunden gedauert) in Frage. Mit dem Touristenzug zum höchstgelegenen See, dann zu Fuss zurück zum Ausgangspunkt, von dort mit dem Schiff Richtung unteres Ende der Seen, von dort zu Fuss ganz nach unten und mit dem Zug wieder zurück. Dies führte ich dann in einer leicht abgewandelten Variante so durch.
Einmal mehr war es gut, nicht in der Hochsaison eine solche Touristenattraktion zu besuchen. Die Menge an Leuten war überschaubar und doch kam man sich hie und da in die Quere, weil der eine etwas schneller als der andere unterwegs war. Auch hier konnte man die eingangs gestellte Frage wiederholen, wie sehr man sich eigentlich bewusst ist, was um einen herum alles so geschieht (im Weg stehen und sich über Leute ärgern, welche vorbeiwollen).
Plitvitscher Seen: Türkisfarbenes Wasser

Plitvitscher Seen: Türkisfarbenes Wasser

Dass die plitvitscher Seen in den unterschiedlichsten Türkistönen schimmern und je nach Wetter auch mal die Farbe ändern hatte ich gelesen. Was mich aber sehr überraschte, war die Klarheit des Wassers. Metertief konnte man durch das Wasser sehen. Und auch die Fische konnten das. So kam es, dass sie sehr genau wussten, wo die Menschen sind, und wo es etwas zu fressen gibt. Entsprechende Figuren hatten die Fische dann auch. Gerne hätte ich ins Wasser gegriffen und eine dicke Forelle rausgezogen. Oder aber die Badehose angezogen und einfach so ins Wasser gesprungen (bei entsprechenden Wassertemperaturen).
Plitvitscher Seen: klares Wasser

Plitvitscher Seen: klares Wasser

Am Ende der Bootsfahrt, strategisch sehr günstig, gibt es ein Selbstbedienungsrestaurant mit kleinen Speisen, sowie dem in Kroatien omnipräsenten Kaffee in zig Variationen. Ich finde es immer wieder interessant, wie die Gäste aus anderen Ländern einfach in ihrer Landessprache bestellen unter der Annahme, der wird mich dann schon verstehen. Und es dann als unhöflich empfindet, wenn er es nicht tut. Daher schlage ich vor, bei allen Busreisen in anderssprachige Länder einen kurzen Grundkurs mit folgenden Inhalten per DVD auf der Fahrt zu vermitteln:
– Lesen: wie werden die unbekannten Buchstaben ausgesprochen, evtl. auch Buchstabenkombinationen
– Vokabular: ein Mindestvokabular an Guten Tag, Auf Wiedersehen, Danke, Bitte, Ja, Nein (weitere Vorschläge?)
– Umgang: etwas Geduld, wenn die Kommunikation nicht auf Anhieb funktioniert
Mal schauen, vielleicht mache ich in Peking dann eine Firma für Anfängersprachkurs-DVDs auf. Das Kopieren der DVDs können dann die Chinesen übernehmen 😉
Plitvitscher Seen: die unteren Seen

Plitvitscher Seen: die unteren Seen

Nach ziemlich exakt den, durch den Herrn im Turist Biro, vorausgesagten 5 Stunden, stand ich wieder in demselbigen. Der Herr war auch noch da und machte sich sogleich ans Telefon, um nach freien Zimmern bei Privatleuten zu fragen. Beim zweiten Anruf klappte es dann auch und 10 Minuten später durfte ich bei meinem Gastgeber für die Nacht ins Auto einsteigen. Ihn fragte ich dann auch nach der Möglichkeit, mit dem Bus von Plitvice nach Bihac zu fahren. Folgende Info habe ich erhalten: es fährt ein Bus von Grabovac, welches 10 Kilometer entfernt Richtung Zagreb liegt. Einfacher ist allerdings bei der Frau des Gastgebers mitzufahren, denn die muss morgen ebenfalls nach Bihac. Das Problem wäre also auch auf einfache Art und Weise gelöst.