Cameron Highlands: Mitten in Gewächshäusern und Wolken

Tea carpet

Teeteppich

Auf die beiden Städten Alor Setar und George Town folgte erst noch eine weitere kleine Stadt mit Ipoh, ehe wir uns das erste Mal in Malaysia in die Natur wagten. Von der Natur fanden wir mehr als wir erwartet hatten, genossen jedoch jeden Moment in den mehr oder weniger alten Urwäldern rund um die Cameron Highlands. Natürlich durften auch Besuche bei der berühmten Teefarm sowie einer Erdbeerfarm nicht fehlen.

Morgens um 9 Uhr mussten wir beim KOMTAR Gebäude, dem grössten Gebäude in George Town bereit stehen, um den Bus nach Ipoh zu erwischen. Wir assen Frühstück bei einem Chinesen und machten uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Da wir noch etwas zu früh waren, deponierten wir unsere Rucksäcke und gingen zum Inder, um noch einen Tee und ein Chapati zu essen. Schlussendlich sassen wir vor dem Fahrkartenverkäufer und wurden nach einer kurzen Zeit in einen Bus verladen. Dieser fuhr uns 100 Meter weiter zu einem weiteren Fahrkartenverkäufer, wo wir wieder ausgeladen wurden. Pünktlich um 9:30 Uhr trafen dann unser Bus nach Ipoh ein und auf einer Irrfahrt durch George Town, vorbei am eigentlichen Busbahnhof, wo wir um 10:30 Uhr losfuhren, erreichten wir schlussendlich den Busbahnhof der Region Ipoh, rund 9 km von der Stad gelegen. Zum Glück gibt es alle 20 Minuten einen Linienbus in die Stadt, so dass wir auch das letzte Stück noch meisterten.

Schöner Bahnhof in Ipoh

Schöner Bahnhof in Ipoh

In Ipoh begann dann die Suche nach einer Unterkunft. Das Stadtzentrum schien leergefegt, weshalb wir schlussendlich auf den Reiseführer zurückgriffen und nach einem der dort aufgelisteten Hotels fragten. Nach zweimaligem Nachfragen erreichten wir die Jalan Ali Pitchay und waren plötzich umgeben von Unterkunftsmöglichkeiten. Wir fanden ein ordentliches Hotel für einen guten Preis und liessen uns dort nieder. Die nächste Aufgabe war, etwas Festes zwischen die Zähne zu kriegen. Hatten wir bei der Ankunft noch zig Restaurants gesehen, so schienen sie nun alle verschwunden. Schliesslich fanden wir doch ein Ã-rtchen zum Essen und versuchten einmal mehr die Spezialitäten des Hauses.
Bunte Gebäude im Kolonialstil in Ipoh

Bunte Gebäude im Kolonialstil in Ipoh

Der obligate Standtrundgang stand an, wobei wir den historischen Bahnhof, das gegenüberliegende Ratshaus und das Gericht auf keinen Fall verpassen durften. Die drei sehr gut erhaltenen Gebäude aus der Kolonialzeit erstrahlen im sauberen weiss gegen den den Himmel. Bei einem Abstecher zum lokalen Busbahnhof erstanden wir zwei Fahrkarten weiter in die Cameron Highlands, eine Bergstation, welche von den Engländern zur Abkühlung und Entspannung genutzt wurde. Am nächsten Morgen um 8 Uhr sollte es losgehen und wir sollten um 7:45 Uhr bereitstehen.
Eher zufällig stiessen wir auf die Künstlerstrasse in Ipoh. Vor allem ein Maler scheint sich in den letzten beiden Jahren ein Denkmal geschaffen zu haben und die Hauswände in der einen Seitenstrasse mit bunten Bildern dekoriert zu haben. Neben typischen malayischen Motiven gab es auch Weisheiten von Albert Einstein, Bruce Lee und Nelson Mandela zu lesen, sowie ein Gedenkbild an den über der Ostuktraine abgeschossenen Flug MH17 befand sich am Ende der Strasse.
Kreative Strassenkunst in Ipoh

Kreative Strassenkunst in Ipoh


Weise Strassenkunst in Ipoh

Weise Strassenkunst in Ipoh

Zum Abendessen wollte ich die lokale Spezialität, das gesalzene Hähnchen ausprobieren. Wir sassen noch beim Nachmittagskaffee als jedoch das berühmteste Restaurant für die Spezialität bereits die Tore schloss. Auch alle anderen Restaurants, die das gesalzene Hähnchen anboten, waren bereits geschlossen. So gab es etwas anderes, was aus China kommend in der Gegend speziell abgewandelt wurde: Das gedämpfte Hähnchen mit Bohnensprossen. Dies ist eine Variante des Hainan Hähnchenreises und war das zarteste Hähnchenfleisch, was ich je gegessen habe. Zusammen mit einer ausgezeichneten Sauce und knackigen Bohnensprossen ein würdiger Ersatz für das gesalzene Hähnchen.
Am nächsten Morgen früh stiegen wir nach einer überraschend lärmigen Nacht aus den Federn und machten uns zu Fuss auf den Weg zum lokalen Busbahnhof. Auf der dem Busbahnhof gegenüberliegenden Strassen Seite fanden wir einmal mehr ein leckeres indisches Frühstück und setzten uns anschliessend als beinahe einzige Fahrgäste in den Bus nach Tanah Ratah.
Lenka auf dem Wanderweg 7 in den Cameron Highlands

Lenka auf dem Wanderweg 7 in den Cameron Highlands


Durch freundliche Hinweise am Busbahnhof von Tanah Ratah fanden wir auch schnell ein gutes Zimmer und machten uns gleich auf den Weg zu einer Imbissbude für ein kleines Mittagessen und Proviant für den nächsten Tag. Wir nutzten den Nachmittag für unsere erste Wanderung in den Cameron Highlands. Als einer der wenigen Orte in Südost-Asien bieten die Cameron Highlands die Möglichkeit auf eigene Faust die Gegend zu erkunden. Die 14 markierten Wanderwege sind gut zu finden und ordentlich ausgeschildert, resp. als einzige Pfade im Dschungel vorhanden. Wir wurden noch gewarnt, den Pfad Nummer 9 nicht zu benutzen, da es dort in letzter Zeit zu bewaffneten Üeberfällen gekommen sei. Wir entschieden uns die Berge auf der Ostseite des Tals zu erklimmen und machten uns auf den Weg nach Mardi. Die paar Häuser von Mardi liegen nur 500 Meter vom Busbahnhof von Tanah Ratah entfernt. Nach einmaligem Nachfragen fanden wir auch den Einstieg in den Wanderweg und waren sofort unterwegs in den urtümlichen Wald. Da der offiziell die gut 2 Kilometer rund anderthalb Stunden beanspruchen sollten, waren wir gespannt, wie denn der Weg verlaufen würde. Obwohl stellenweise sehr steil war er dann mit nicht allzuviel Anstrengung machbar und nach gut einer Stunde standen wir auch schon auf dem Gipfel des Berges. Wir atmeten etwas durch und genossen einen Schluck aus der Wasserflasche als plötzlich aus den anderen beiden Richtungen noch jeweils ein deutsches Pärchen auftauchten. Da die drei Wanderparteien über die Wege 3, 7 und 8 zum Gipfel gekommen waren, konnten wir unsere Erfahrungen austauschen und bestimmen, über welchen Weg wir absteigen würden. Wir entschieden uns, bei unserem Plan den Weg 3 zu benutzen zu bleiben und folgten diesem bis zur grossen Kreuzung mit der Schutzhütte. Dort beobachteten wir etwas die Affen, die sich uns gütiger Weise auch zeigten und warteten den ersten grossen Regenguss ab. Unsere Hoffnung dass der Regen gleich wieder aufhören würde wurde leider nicht erfüllt, so dass wir uns entschieden den direkten Weg über Weg 5 zurück nach Tanah Ratah zu nehmen.
Neugierig und schüchtern: Affen bei der grossen Kreuzung auf der Wanderung

Neugierig und schüchtern: Affen bei der grossen Kreuzung auf der Wanderung

Bis wir den Wald verliessen regnete es auch nicht mehr und zurück in Tanah Ratah setzten wir uns zu den anderen beiden Parteien, die bei einem Inder gemeinsam am Tisch sassen. Während die vier ein ausgiebiges Essen zu sich nahmen, gaben wir uns mit einer kleinen Zwischenmahlzeit zufrieden. Wir hatten nämlich für den ersten Abend in den Cameron Highlands geplant, die lokale Spezialität, das Steamboat, auszuprobieren.
Was in China als Hotpot und in Europa als Fondue Chinoise bezeichnet wird (mindestens so ungefähr), nennt sich in Malaysia eben Steamboat. Etwas wanders als in Europa finden auch Meeresfrüchte, Gemüse und Pilz den Weg in die Suppe und es wird nicht mit Gabel gekocht, sondern mit Suppenlöffeln gefischt. Wir entschieden uns für eine eigentlich thailändische Tom Yam Suppe als Basis, welche für uns gerade den richtigen Schärfegrad hatte und sehr aromatisch war. Dass das von uns gewählte Restaurant einen sehr guten Namen hat wurde uns schnell bewusst, nachdem kurz nach unserer Ankunft jeder verfügbare Sitzplatz im Hause besetzt war. Den guten Namen hat sich das Restaurant allerdings auch verdient, denn das Essen war makellos.
(Halal) Gemüse für Malaysia und die muslimische Welt

(Halal) Gemüse für Malaysia und die muslimische Welt

Für den ersten ganzen Tag in den Cameron Highlands hatten wir uns für eine Tour angemeldet. Während es im Khao Sok Nationalpark noch hiess, die Rafflesia, die grösste Blume der Welt, würde nur im Februar und März blühen, so soll man die Blume in Malaysia das ganze Jahr über in blühendem Zustand vorfinden. Um genau zu sein heisst das, dass es immer eine blühende Blume gibt, denn eine einzelne Blüte ist nur während knapp einer Woche zu bewundern. Dank der Hilfe der lokalen Bevölkerung, die den Urwald nach der Rafflesia durchforstet und dafür einen kleinen Obulus erhält, gibt es fast jeden Tag eine Tour um die rote Blüte zu bewundern.
Grösste Blume der Welt: Rafflesia

Grösste Blume der Welt: Rafflesia

Spencer, unser Tourguide, brachte uns von den Cameron Highlands auf rund 1400 m auf rund 700 m über dem Meerespiegel. Von der Hauptstrasse ging es dann zu Fuss zunächst durch sekundären und später durch primären Dschungel weit ins Tal, um das Ziel unseres Ausflugs zu erreichen. Die zunächst deutliche erkennbaren Spuren von schweren LKWs zeugten von der illegalen Abholzung von wertvollen Hölzern in der Region bis vor rund 20 – 30 Jahren. Mittlerweile setzen sich auch die Einheimischen für die Natur ein und so konnte wieder ein etwas jüngerer, eben der sekundäre, Dschungel mit vielen Bambushölzern entstehen. nach der zweiten Flussüberquerung erreichten wir dann den primären Dschungel mit den alten, grossen Bäumen.
Rafflesia ist ein Parasit, welcher sich auf Lianen ansiedelt. Die Blume besitzt werden einen Stengel noch Blätter, sondern nur eine Blüte. Wir sahen schon bald erste Knospen, welche wohl in einigen Monaten zu Blüten werden. Die Grössen der Knospen variierten von tennisballgross bis zu Kohlgrösse. Wir trafen unterwegs auch auf eine verblühte Rafflesia, welche von den Einhemischen liebevoll Elefantenkacke genannt wird. Zu guter letzt sahen wir dann das Objekt unserer Begierde, eine Rafflesia, welche seit rund 5 Tagen am Blühen war. Durch die lange Blütezeit schon etwas dunkel, aber immer noch in voller Grösse, konnten wir uns an der überwältigend grossen Blüte verweilen.
Der Mooswald auf dem Aufstieg zum Gunung Brinchang

Der Mooswald auf dem Aufstieg zum Gunung Brinchang

Nachdem wir uns alle sattgesehen hatten waren wiederum anderthalb Stunden wandern auf dem selben Weg zurück zur Hauptstrasse angesagt, wo wir noch eine kurze Demonstration eines Blasrohrs bekamen. Nach einem leckeren indischen Mittagessen wurden wir aufgeteilt in die Gruppe, welche direkt nach Tanah Ratah zurück fuhr und in die Gruppe, welche noch einige weitere Ziele besuchte. Wir gehörten zu ersterer und liessen uns etwas vor Tanah Ratah absetzen um die letzten anderthalb Kilometer auf einem gut befestigten Weg in leichtem Regen zu Fuss zurückzulegen.
Der Mooswald von oben

Der Mooswald von oben

Den letzten Tag in den Cameron Highlands begannen wir frühmorgens. Da die ersten Busse Richtung Brinchang im Zentrum der Highlands bereits im 8 Uhr fuhren, mussten wir etwas vorher aufstehen, um Frühstück zu essen und Proviant für die Wanderung zu besorgen. Beides erledigten wir bei einer Imbissbude und erhielten zwei Styroporbehälter mit Reis und Ei respektive Hähnchen zum Mitnehmen. Um 8 Uhr stiegen wir in den Bus nach Penang, nur um uns nach gut 10 Minuten Fahrt kurz nach Brinchang wieder absetzen zu lassen. Der Wanderweg 1 brachte uns in rund 2 Stunden vom Dörfchen Brinchang auf den höchsten Berg, den Gunung Brinchang, auf rund 2000 m. ü. M. Einmal mehr war der Weg sehr steil und durch die häufigen Regengüsse sehr schlammig. Die vielen Wurzeln und der sandige Boden verhinderten allerdings, dass der Weg unpassierbar gewesen wäre. So bildeten wir einen sehr schmutzigen Kontrast zu all den Touristen, welche sich in Stadtschuhen gekleidet hatten auf den Berg chauffieren waren und nicht einmal schmutzige Schuhsohlen hatten. Uns störte dies nicht weiter und wir genossen die Aussicht vom Aussichtsturm, welche uns durch die Wolken hindurch gegönnt war, ehe wir zum Mooswald weiterzogen. Was wir beim Aufstieg auf den Gunung Brinchang bereits in der Wildnis erlebt hatten, gab es hier noch einmal stadttouristengerecht aufbereitet. Auf sehr schönen Holzstegen gab es die Möglichkeit die moosbedeckten Bäume und den nassen Untergrund zu bewundern.
Spass mit Erdbeeren: der Mitarbeiter der Erdbeerfarm hatte einige kreative Ideen

Spass mit Erdbeeren: der Mitarbeiter der Erdbeerfarm hatte einige kreative Ideen

Den Abstieg legten wir dann auf der Strasse zurück. Obwohl nicht ganz so abenteurlich wie der Aufstieg, gab es doch einige Punkte mit einer schönen Aussicht, zunächst auf Gemüse- und Erdbeerfarmen, später auf die Teeplantage.
Letztere war dann auch unser nächstes Ziel. Ein netter Einheimischer fuhr uns die letzten paar hundert Meter mit seinem Minibus zur Plantage, da wir falsch abgebogen waren und dabei waren zu seinem Haus zu marschieren. Er setzte uns direkt vor der Teefabrik ab, wo wir uns in das Thema Teeproduktion einlesen konnten und auch gleich erster Hand erleben konnten wie diese seit 80 Jahr in der Gegend praktiziert wird. Natürlich durfte auch ein Kännchen Tee und ein Stück Kuchen in dem netten Café nicht fehlen.
Schwarztee wie ursprünglich von den Briten diktiert

Schwarztee wie ursprünglich von den Briten diktiert

Den Rest des Abstieges nach Kea Farms erledigten wir dann auf unseren eigenen Füssen und nach einem leckeren Erdbeerjoghurteis fanden wir einen netten Fahrer, welcher uns nach Tanah Ratah mitnahm und uns an der Busstation abesetzte, so dass wir gleich Fahrkarten für den nächsten Tag in die malaysische Hauptstadt kaufen konnten. Nach einem indischen Abendessen fielen wir todmüde ins Bett…