Angkor und das langsamste Tuk-tuk Kambodschas

Tomb Raider Tempel Ta Prohm

Tomb Raider Tempel Ta Prohm

Nach einer einwöchigen Exkursion nach Vietnam kehrten wir per Schiff von Chau Doc nach Kambodscha zurück. Nach einer langen Reise trafen wir in Kampong Thom, auf halbem Weg zwischen Phnom Penh und Siem Riep gelegen ein. Die Stadt bot nochmals Einblicke in kambodschanisches Kleinstadtleben, sowie einen Ausflug zu den vor-angkorianischen Ruinen von Sambor Prei Kuk. Schlussendlich trafen wir in der bekanntesten aller kambodschanischen Destinationen, in Siem Reap mit den Tempel von Angkor, ein.

Nach sieben Tagen im Mekong-Delta war die Zeit wieder reif für eine Rückkehr nach Kambodscha. Um halb acht morgens verliess das Schnellboot Chau Doc in Vietnam und brachte uns zunächst zur vietnamesisch-kambodschanischen Grenze. Der Vertreter der Schiffahrtsgesellschaft bot uns Hilfe bei den Grenzformailtäten für 34 Dollar an. Nach unseren Erfahrungen an der laotisch-kambodschanischen Grenze lehnten wir dankbar ab, denn einerseits hofften wir nicht auf den Goodwill, dass er diesen einfachen Prozess kostenlos für uns machen würde und der Betrag kam mir etwas eigenartig vor. An der Grenze zu Laos verlangten die Grenzbeamten 5 Dollar als Bearbeitungsgebühr zusätzlich zu den 30 Dollar Visagebühren. Die Diskrepanz erklärte sich dann bei der Visabeantragung: Das Visum kostete auch hier 30 Dollar, jedoch wurden hier keine zusätzlichen Gebühren erhoben. Die 4 Dollar wanderten in die Tasche der Schiffahrtsgesellschaft, respektives ihres netten Vertreters. Dieser hatte noch versucht, die Grenzbeamten zu überzeugen, dass sie zusätzliche Gebühren verlangen müssten, die Beamten gingen auf seine Vorschläge allerdings gar nicht ein. Als er schlussendlich aufgeflogen war, bat er uns, den anderen Passagieren auf keinen Fall zu erzählen, was wir bezahlt hatten.

Sicherheit ist wichtig in Chau Doc, mindestens so lange die Polizei hinschaut

Sicherheit ist wichtig in Chau Doc, mindestens so lange die Polizei hinschaut

Nach 5 langen Stunden erreichten wir schliesslich Phnom Penh, wo wir nach einer Weiterfahrt nach Kampong Thom suchten. Der Tuk-tuk Fahrer brachte uns zu einer Reiseagentur, welche einmal mehr viel zu teuren Busfahrten anbot, worauf wir den Herrn Fahrer überzeugen mussten, dass er uns für den Dollar wie vereinbart zum Phsar Thmei, dem Hauptmarkt und Busbahnhof, bringen soll. Zähneknirschend brachte er uns schliesslich hin, obwohl er ursprünglich 4 Dollar haben wollte, wir jedoch bereits die Preissituation in Phnom Penh kannten. Wir lassen unsere Dienstleiser gerne unglücklich zurück, in diesem Fall wurde uns jedoch einmal mehr vor Augen geführt, wir reisende Ausländer häufig nur noch als wandelnde Geldbeutel betrachtet werden. Die Ursache darin sehen wir bei den Ausländern selbst, denn es gibt mehr als genug Leute, welche sich nicht kümmern, wie sich die Preissituation und Verhandlungskultur in ihrem Gastland gestaltet.
Gängiges Bild in Kambodscha, Reisfelder und Palmen

Gängiges Bild in Kambodscha, Reisfelder und Palmen

Nach einer holprigen Fahrt über 5 Stunden erreichten wir schliesslich müde Kampong Thom. Nach 10 Stunden Netto-Reisezeit waren wir froh, dass wir ein schönes Zimmer direkt gegenüber von der Bushaltestellte fanden und auch ein leckeres Abendessen nicht weit weg war. Für die kommenden beiden Tage hatten wir beschlossen auszuschlafen, denn zunächst hatten wir einen kürzeren Ausflug nach Sambor Prei Kuk geplant, bevor wir in 2-3 Stunden nach Siem Reap weiterfahren würden.
Seit langer Zeit hatten wir den Wecker nicht gestellt und staunten nicht schlecht, als die Uhr bereits halb neun anzeigte, als wir aufwachten. Gemütlich bereiteten wir uns auf unseren Ausflug vor und fanden neben dem Guesthouse ein Restaurant, wo wir ein Frühstück fanden. Ein Tuk-tuk Fahrer hatte uns bereits am Vorabend abgefangen und fand uns bevor wir ihn kommen sahen. Nachdem er uns ein paar Minuten zum Frühstücken gegeben hatte, handelten wir einen Preis aus und waren gleich mit seinem Freund unterwegs durch Reisfelder und durch Dörfchen zum 30 km entfernten Tempelkomplex.
Impression aus Sambor Prei Kuk, den Tempeln zwischen den Bäumen

Impression aus Sambor Prei Kuk, den Tempeln zwischen den Bäumen


Sambor Prei Kuk ist eine Ansammlung von Backsteintempeln, welche in den 3 Jahrhunderten vor dem angorkianischen Komplex in Siem Reap gebaut wurden. Dadurch, dass die Tempel nicht so imposant sind, gibt es viel weniger Besucher und eine relaxte Atmosphäre zwischen den Bäumen. Ein netter lokaler Guide führte uns von Tempel zu Tempel und erklärte uns das wichtigste zu den hinduistischen Tempeln. Einiges kam uns bekannt vor, hatten wir doch bereits in Laos mit Vat Phu einen Palast und Tempelkomplex aus der selben Zeit begutachtet.
Eine beunruhigende Komponente des Tempelbesuchs waren die Kinder, welche unerbittlich versuchten Schals zu verkaufen. Auch wenn die Kinder einem mit ihrem Blick das Herz erweichen lassen, so sollte man doch nicht von Kindern kaufen oder Kindern Geschenke geben. Können Kinder erfolgreich verkaufen, so ist der Anreiz für die Eltern grösser, die Kinder zum Verkauf von Produkten arbeiten zu lassen, anstatt sie in die Schule zu schicken. Ebenso gewöhnen sich Kinder sehr schnell an die Tatsache, dass Ausländer für sie Geschenke mitbringen und sie entwickeln sich zu Bettlern. Es gibt mehr als genug Möglichkeiten, den armen Familien zu helfen, jedoch sollte dies über eine Organisation geschehen, welche sich mit der lokalen Situation auskennt und nicht direkt in die Hände von Kindern oder Einheimischen. Das Resultat von gut gemeinter Grosszügigkeit konnten wir mittlerweile zur Genüge beobachten.
Am späten Nachmittag erkundeten wir noch etwas Kampong Thom und fragten nach Preisen für Busfahrtkarten nach Siem Reap. Anscheinend gibt es einen Einheitspreis, welcher von der Hälfte der Anbieter etwas aufgestockt wird, auf den sie aber schnell zurückfallen, wenn man sie nach Rabatt fragt. Wir nahmen den ersten Bus am nächsten Morgen nach Siem Reap, welcher durch Kampong Thom fuhr. Sollte dieser um 10:30 Uhr eintreffen, so hatte er rund eine Stunde Verspätung. Auch dauerte die Fahrt nicht die erwarteten 2 Stunden sondern gut 3, inklusiven einem geplatzten Reifen, der eine kleine Panikwelle auslöste, die sich aber sehr schnell wieder legte. Der Radwechsel war in gut einer Viertelstunde erledigt und wir konnten die Fahrt nach Siem Reap fortsetzen.
Am Busbahnhof von Siem Reap wurden wir dann einmal mehr von einem Rudel Tuk-tuk Fahrer erwartet. Mit exorbitanten Preisen versuchten sie uns die Dollars aus der Tasche zu ziehen. Leider war uns selbst derjenige, der uns schlussendlich in die Stadt fuhr nicht sympathisch genug, dass wir in für die kommenden Tage engagiert hätten. Etwas abseits vom ganz grossen Rummel, in einer Ecke voll von Guesthouses, liessen wir uns absetzen. Obwohl es noch nicht ganz Halloween war, gingen wir von Tür zu Tür und baten nicht im Süssigkeiten, sondern fragten nach freien Zimmern. Im Happy Guesthouse fanden wir ein Zimmer, welches unseren Ansprüchen genügte und zogen ein.
Zu Fuss machten wir uns auf den Weg, um die Stadt etwas kennenzulernen. Wir staunten nicht schlecht über die Präsenz von Infrastruktur für den Touristen. Das Zentrum rund um den alten Markt könnte beinahe irgendwo in der Welt sein, so voll sind die Strassen mit Restaurants, die eine kulinarische Weltreise ermöglichen, mit Bars jeglicher Ausprägung und natürlich Shop s und Souvenirstände. Wir schauten uns etwas im und ums Zentrum um und fanden ein Restaurant mit sehr leckeren Khmer Gerichten, wo wir unsere Mägen füllten. Wir mussten ja schliesslich gestärkt sein für die folgenden zwei Tage zwischen den vielen Tempeln.
Wir hatten uns entschieden einen Tag mit dem Fahrrad die Tempel von Angkor auf der sogenannten kleinen Runde zu erkunden, ehe wir am zweiten Tag die grosse Runde und Banteay Srey per Tuk-tuk anschauten. Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellte. Obwohl wir einiges gelesen hatten, dass die Tempel viel zu weit auseinander liegen würden und es beinahe keinen Schatten gäbe, war es überhaupt kein Problem die rund 30 km zu bewältigen. Einerseits war es eine kurze Strecke und andererseits liegen die Strassen alle in Wäldern, so dass man sehr schön auch im Schatten radeln kann. Dadurch dass wir ordentliche Bikes gemietet hatten, konnten wir auch die Sattel so hoch einstellen, dass unsere Knie nicht gegen das Kinn schlugen, was öfters bei den günstigen Citybikes der Fall war.
Angkor Wat bevor es von Besuchern überschwemmt wurde

Angkor Wat bevor es von Besuchern überschwemmt wurde

Kurz nach sieben waren wir unterwegs zu Angkor Wat, dem Wahrzeichen der Gegend und dem Stolz des Landes. Wir schafften unsere Besichtigungstour gerade noch bevor die grossen Tourgruppen eintrafen. Dafür versanken wir im Bayon in Angkor Thom zwischen den Massen. Die grossen Busse hatten uns aufgeholt und im eher engen Bayon stauten sich die Massen etwas. Dies war zum Glück das einzige Mal, bei dem wir an diesem Tag in die Menschenmenge gerieten.
Die Gesichter des Bayon in Angkor Thom

Die Gesichter des Bayon in Angkor Thom


Baphuon in Angkor Thom

Baphuon in Angkor Thom

Wir besichtigten die weiteren Sehenswürdigkeiten in Angkor Thom ehe wir uns in einem der Restaurants in der Nähe zum Essen überreden liessen. Lenka’s Reaktion, als sie die Preise auf der Speisekarte sah, halbierte ohne weitere Diskussion die Preise. Kein Wunder wenn eine Kokosnuss zum trinken plötzlich viermal so viel kostet als sonstwo in Kambodscha und die Mahlzeiten doppelt so viel. Der Zeitpunkt war nicht schlecht gewählt, denn während wir eine zweite Kokosnuss zu leeren begannen, tat der Himmel dasselbe und es begann in Strömen zu regnen. Wir sassen noch im Trockenen, schauten uns das Naturschauspiel genüsslich an. Wir beneideten die anderen Fahrradfahrer nicht, die sich gleich bei der ersten Regenpause wieder auf den Sattel schwangen, sie wurden nur wenige Minuten später von den schwersten Regengüssen eingeholt. Als wir uns dann entschieden weiter zu fahren, hörte der Regen auch tatsächlich auf. Glück gehabt!
Wir stiegen durch die kleineren Tempel östlich von Angkor Thom, ehe wir uns in Ta Phrom wieder viel Zeit nahmen all die eingestürzten Nebenräume und Bäume auf und zwischen den Mauern zu begutachten. Bald konnten wir verstehen, weshalb dieser Tempel nicht nur bei Touristen, sondern auch bei der Filmindustrie (Tomb Raider) beliebt ist. Die teilweise versteckten Passagen eröffnen einem immer wieder neue Ansichten auf die Ruine.
Wir besichtigten noch Banteay Kdei, bevor wir zurück zum Angkor Wat radelten. Dort wurden wir einmal mehr überrascht. Die Türme des mächtigen Komplexes leuchtet wunderschön in der Abendsonne, aber es schien niemanden zu interessieren. Viel Touren waren um diese Uhrzeit bereits zurück in Siem Reap und alle anderen häuften sich an anderen Orten für den Sonnenuntergang. So genossen wir die ruhige Atmosphäre, ehe wir im Flug nach Siem Reap zurück radelten, um gerade bei Einbruch der Dunkelheit dort anzukommen.
Angkor Wat um 5:37 Uhr

Angkor Wat um 5:37 Uhr

Nach einem anstrengenden Tag genossen wir ein Abendessen Nahe unserer Unterkunft, um früh ins Bett zu fallen. Dies hatte zwei Gründe: einerseits waren wir doch ziemlich müde nach 12 Stunden auf den Beinen und andererseits hatten wir mit einem netten Tuk-tuk Fahrer für den kommenden Morgen um 5 Uhr ausgemacht, dass wir zusammen zum Sonnenaufgang im Angkor Wat fahren würden.
Üeberpünktlich trafen wir den netten Fahrer und gemütlich machten wir uns auf den Weg. Die Gemütlichkeit war weniger unsere Intention, wir wollten den Sonnenaufgang auf keinen Fall verpassen, sondern mehr technische Rahmenbedingung des Tuk-tuks. Den ganzen Tag über flitzen uns Motorräder und andere Tuk-tuks um die Ohren. Wir hatten wohl das langsamste Tuk-tuk von Siem Reap erwischt. Nichtsdestotrotz trafen wir mehr als rechtzeitig beim Angkor Wat ein. Dies war auch gut so, denn ohne Probleme erhaschten wir einen Platz in der ersten Reihe der Beobachter.
Die mystischen Ruinen von Preah Khan

Die mystischen Ruinen von Preah Khan

Langsam wurde es heller und der Himmel hinter dem Wat begann sich zu verfärben, allerdings nicht ganz so stark wie wir es gehofft hatten. Neben uns hatte sich ein ambitionierter Hobbyfotograf mit seiner Ausrüstung aufgestellt, begleitet von einem Profi. Wofür er den Profi allerdings bezahlt hat blieb ein Rätsel, denn er wollte nicht auf seine Tips hören.
Als die Sonne dann am Horizont erschienen war, machten wir uns auf den Weg nach Angkor Thom für ein Frühstück, ehe wir weiter zu Preah Khan, einer der weiteren grossen Ruinen nördlich von Angkor Thom. Wie tags zuvor in Ta Prohm hatten wir unseren Spass abseits der Hauptachse die eingestürtzten Räume und Bäume zu erkunden. Einmal mehr handelte es sich um eine riesige Ansammlung von mit Moos bedeckten Steinen, welche in der Landschaft platziert waren, als hätten ein paar Riesen sich für hunderten vor Jahren mit Legosteinen beschäftigt und diese dann einfach liegen gelassen.
Auch wir erhielten ein paar Sekunden freie Sicht auf Banteay Srey

Auch wir erhielten ein paar Sekunden freie Sicht auf Banteay Srey

Eine lange Fahrt später trafen wir beim Lady-Temple oder Banteay Srey ein. Dieser etwas nördlich vom Angkor Komplex gelegene Tempel enthält einerseits wunderschöne Steinmetzarbeiten und ist andererseits der einzige Tempel, welcher aus rotem Sandstein gebaut wurde. Einziger Nachteil: durch unser Frühstück und den Besuch von Preah Khan war es spät genug geworden, dass alle Bustouren auch schon dort waren. Zum Glück bewegten sich die Tourgruppen doch recht schnell, so dass wir eine kleine Chance hatten einige ungestörte Blicke auf den Tempel zu erhaschen.
Gemächlich gings anschliessend zurück auf die grosse Runde, wo wir noch Ta Som, Neak Pean, den East Mebon und Pre Rup besuchten. Während die meisten der unzähligen Händler unser „No, thank you“ akzeptierten und verstanden, dass wir nichts kaufen wollten, so liessen uns insbesondere die Kinder lange Zeit keine Ruhe. Kinder, welche uns irgendetwas verkaufen wollen, haben grundsätzlich Pech bei uns. Während sie einem herzerweichend durch ihre Kulleraugen anschauen können uns behaupten sie hätten nichts zu essen, wenn man nicht bei ihnen kauft. Kauft man nämlich bei Kindern fördert man die Kinderarbeit und wenn sie erfolgreich sind, haben die Eltern weniger Anreiz sie weiter in die Schule zu schicken, sondern geben ihnen lieber einen Verkaufsjob. Ist ja gegenwärtig besser für die Familie. Wir fänden es toll, wenn sich Touristen grundsätzlich etwas mehr Gedanken über die Konsequenzen ihrer Taten in diesen Regionen machen würden. Dazu gibt’s eventuell später noch einen Post…
Ta Som im Wald

Ta Som im Wald


Eastern Mebon, einer der Tempel ohne Schatten

Eastern Mebon, einer der Tempel ohne Schatten

Da wir diesmal schon am späteren Nachmittag von unserer Tempeltour zurück kamen, hatten wir noch etwas Zeit durch die Strassen von Siem Reap zu schlendern. Wir taten dies Ausschau haltend nach Büros von Busgesellschaften und Restaurants. Einmal mehr wollten wir die Kommission des Guesthouses umgehen und direkt bei der Busgesellschaft eine Fahrkarte nach Battambang, unserem letzten Stop in Kambodscha, kaufen. Wir fanden an sehr zentraler Lage das Büro von Capitol Tours und erstanden die Fahrkarten für 4.50 USD pro Person inkl. Abholservice vom Guesthouse. Die selbe Dienstleistung hätte im Guesthouse 6 USD gekostet… Es zeigte sich einmal mehr, dass man sich mit kleinem Zeitaufwand ein Frühstück verdienen kann.
Einmal mehr stiegen wir früh ins Bett, denn wir sollten bereits im 7 Uhr morgens abgeholt werden. Nach einem mehr schlecht als rechten Frühstück konnten wir unsere sieben Sachen auch in einen Minibus packen und wurden zum Capitol Tours Busbahnhof gebracht. Dort verteilten sich die Touristen auf die verschiedenen Busse und kurze Zeit später waren wir unterwegs nach Battambang. Nach einem kurzen Zwischenstop mit Zuckerrohrwasser in Banteay Meanchey erreichten wir nach ziemlich genau dreieinhalb Stunden Battambang.
Aktiver als sonstwo sprangen die Tuk-tuk Fahrer dem Bus nach, um den potentiellen Kunden ihre Schilder mit ihrem Angebot zu präsentieren. Ein Fahrer lockte uns mit einem Fahrpreis von einem halben Dollar pro Person und durch Handzeichen sagte wir aus dem Bus zu. Er erklärte uns dann, dass er uns ein Hotel empfehlen könnte und daran interessiert wäre uns die kommenden Tag in und um Battambang zu chauffieren. Wir liessen uns ins Royal Hotel fahren, schauten uns ein Zimmer an, passten den Preis noch auf den realen Preis an und begannen mit dem Tuk-tuk Fahrer über unser Nachmittagsprogramm zu sprechen. Er hatte bereits zwei Engländern eine Tour zugesagt, welche exakt dem entsprach, was wir noch vor hatten. Gerne gesellten wir und eine weitere Engländerin uns dazu, was alle freute, die einen weil sie weniger bezahlen mussten, die anderen weil sie trotzdem mehr Geld erhielten.
Basteln für Fortgeschrittene: Zerlegen und zusammenbauen der Bambusbahn

Basteln für Fortgeschrittene: Zerlegen und zusammenbauen der Bambusbahn

Vor der Tour, welche um 13:30 Uhr startete, hatten wir noch Zeit für ein Mittagessen auf dem Markt und uns etwas rund ums Hotel umzuschauen. Pünktlich trafen alle ein und zu fünft fuhren wir im Tuk-tuk erst einmal zum Kreisverkehr mit dem Namensgeber der Stadt Battambang („Grossvater Stecken“). Der Tuk-tuk Fahrer machte auch als Reiseführer ein ganz ordentlichen Job. Das erste richtige Ziel der Fahrt war die Bambuseisenbahn oder Nori. Nach dem Zusammenbruch der Eisenbahnen in Kambodscha bauten sich die Leute einfache Gefährte, bestehend aus zwei Achsen mit Rädern und einer Plattform aus Bambus gebaut. Diese wurden zunächst mit einem Stab, später mit Gasmotoren betrieben. Einige wenige dieser Noris sind noch funktionstüchtig und auch wir wollten natürlich das Abenteuer nicht missen, mit bis zu 40 km/h auf einer wackeligen Bambusplattform durch die Reisfelder zu brausen. Wir angekündigt würden die Noris wohl keinen Sicherheitstest der Welt bestehen, doch war dies ein einzigartiges Erlebnis. Am Ende der Strecke konnten wir ein kleines Dorf mit vielen Souvenirständen, einer Reisfabrik und einer Ziegelfabrik bewundern. Auf der Rückfahrt musste dann auch unser Nori einmal zwecks Kreuzung auseinander- und wieder zusammengebaut werden. Eine Aktion von kaum 2 Minuten.
Wat auf dem Phnom Sampeu

Wat auf dem Phnom Sampeu

Das zweite Ziel des Nachmittagsausfluges brachte uns zum Phnom Sampeu, einem Tempel auf einem Berg rund 12 km süd-westlich von Battambang gelegen. Neben dem Tempel, welcher von den Khmer Rouge als Gefängnis benutzt worden war, besichtigten wir auch eine Höhle in welcher von den Khmer Rouge gegen 10000 Menschen umgebracht worden waren. Die Gegend um Battambang war lange Zeit auch nach deren Herrschaft Rückzugsort der Khmer Rouge.
Die letzte Attraktion befand sich dann am Fuss des Berges. Eine Höhle am Fuss des Phnom Sampeu beherbergt geschätzten 3 Millionen Fledermäuse. Jeden Abend bei Einbruch der Dämmerung machen sich diese Fledermäuse auf Nahrungssuche, was ein einmaliges Spektakel ist. Auf einer scheinbaren Strasse fliegen die Fledermäuse von ihrem Versteck Richtung Tonle Sap, wo die dort beheimateten Insekten ein gefunden Fressen sind. Üeber Kilometer sieht man noch den Strom der Fledermäuse über die Felder ziehen.
Bat Man's Traum: um die 3 Millionen Fledermäuse auf dem Weg zum Essen

Bat Man’s Traum: um die 3 Millionen Fledermäuse auf dem Weg zum Essen

Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir wieder in der Stadt an und wir machten uns sogleich auf die Suche nach Nahrung, welche wir in einem der wenigen noch offenen Restaurants der Stadt auch fanden. Die aufgetischte Mahlzeit stellte einen hervorragenden Abschluss unseres Besuchs von Kambodscha dar, bevor wir uns am nächsten Morgen nach Thailand aufmachten.