川底下村 (chuan di xia): Spiel mir das Lied vom Tod

In Europa kennt man Brückentage, sie sind eines der wichtigsten Element, wenn es um Urlaubsplanung geht. Auch wenn man nicht weiter wegfährt, so nimmt man doch gerne an einem Brückentag frei, um vier arbeitsfreie Tage geniessen zu können. Brückentage gibt es in China nicht, denn hier wird einfach das Wochenende so verschoben, dass es an den Feiertag reicht, so dass man automatisch drei freie Tage frei hat, allerdings zum Preis einer sechs oder siebentägigen Arbeitswoche. Zum ersten Mai entschlossen wir uns einen Ausflug in die Berge westlich von 北京 (bei jing) zu machen. Ein Abenteuer!


Auf der Suche nach Ausflügen ausserhalb der Stadt Beijing bin ich auf das Bergdörfchen 川底下村 (chuan di xia), rund 80km westlich von Beijing gelegen, gestossen. Ein traditionelles Bergdorf, gut versteckt in den Bergen vor der Hauptstadt. Da wir im Osten der riesigen Stadt Beijing wohnen, war eine längere Anreise notwendig, rund dreieinhalb Stadt mussten wir rechnen. Doch gerade diese Reise sollte es in sich haben.
Zunächst mit der U-Bahn fuhren wir nach 苹果园­ (pi­ng guo yuan, die Apfelplantage oder wörtlich Apfelgarten), der Endhaltestelle der U-Bahn Linie 1. Von dort sollten wir entweder per Bus oder Taxi nach 川底下村 kommen. Als Lenka auf der Toilette an der U-Bahn Haltestelle war, wurde ich bereits vom ersten Taxifahrer angefragt, wo wir den hin fahren wollten. Um die Preissituation zu erörtern gab ich im unser geplantes Ziel an. Natürlich war der Preis völlig überrissen, was mich aber nicht weiter störte, da ich wusste, dass es auch einen Bus geben würde. Also machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle der Linie 892, welche bis nach 川底下村 fahren sollte. Wieder wurde ich von einem Fahrer angesprochen und nach langem hin und her, erhielt ich die Fahrt für Lenka und mich zum gewünschten Preis. Da sich der Fahrer nicht auf einen vernünftigen Preis für Hin- und Rückfahrt festlegen wollte, nahmen wir sein Angebot nur für die Hinfahrt an.
Zu zweit setzten wir uns in den Minivan und fuhren los. Schon nach einer kurzen Distanz allerdings bog der Fahrer von der Hauptstrasse ab und fuhr durch kleine Nebenstrassen, in denen er sich selber nicht auskannte. Anscheinend gab es einen Unfall und der Fahrer wollte den resultierenden Stau umfahren. Irgendwie fanden wir dann wieder auf die Hauptstrasse G109, welcher wir beinahe bis 川底下村 folgten. Die Bergwelt westlich von Beijing scheint bei den Einheimischen sehr beliebt zu sein, denn die Strasse war dicht. Wir waren zwischenzeitlich froh, ganz hinten im Minivan zu sitzen, mit maximaler Knautschzone. Die Üeberholmanöver waren mehr als gewagt. Der Fahrer organisierte sogar die Eintrittskarten für uns und lieferte uns wohlbehalten in dem kleinen Bergdorf ab.

Die engen Gassen des Dörfchens

Die engen Gassen des Dörfchens

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Das Dorf besteht aus kleinen Steinhäusern, zwischen welchen Enge Gassen die unterschiedlichen Teile des Dorfes verbinden. Die Häuser bieten schöne Innenhöfe, welche dank dem aufstrebenden Tourismus allesamt als Restaurants genutzt werden. Dies wussten wir sehr zu schätzen, da wir um die Mittagszeit angekommen waren. Einmal mehr konnten ein leckeres chinesisches Essen, bestehenden aus frittierten Blumen im Teig, Hähncheninnereien, einem Spinatsalat und je einer Schüssel Reis mit Bohnen bestand. Nach den Verhandlungen mit den Taxifahrern war das Essen mein zweites Erfolgserlebnis an diesem Tag was meine chinesischen Sprachkenntnisse angeht. Das Lernen lohnt sich!
Die Aussicht vom Tempel des Dorfheiligen

Die Aussicht vom Tempel des Dorfheiligen

Nach dem Essen besichtigten wir die Gassen des Dörfchens und machten uns auf den Weg zu einem der Tempel oberhalb des Dorfes. Das schöne Wetter hatte doch einige Besucher in das Dorf gelockt, jedoch konnte man sich für chinesische Verhältnisse sehr gut bewegen und es blieb doch sehr viel Platz. Dies lag auch daran, dass es rund um das Dorf einige weitere Sehenswürdigkeiten gab und man verschiedenen Strassen entlang weiter in die Berge wandern konnte. Eine weitere Besonderheit sind die Terrassen, welche rund um das Dorf in den Berg gehauen wurden. Dienten diese früher der einfacheren Landwirtschaft, sind sie heute mit Gras und kleinen Büschen überwuchert. Es sind keine Reisterassen, wie man sie aus dem Süden China’s kennt, sondern diese wurden für diverse andere Dinge benutzt. Heute lebt die Dorfbevölkerung vom Tourismus, es gibt beinahe kein Haus, welches nicht als Gaststätte ausgewiesen ist.
Nach unserer Erkundungstour fanden wir dann ein Sammeltaxi, welches uns wieder in atemberaubender Geschwindigkeit zurück nach Beijing brachte. Um den Stau zu umfahren legten wir ein Stück auf einer neuen, noch nicht eröffneten Strasse zurück und kurvten quer durch Wohngebiete. Erleichtert stiegen wir in 苹果园­ aus dem Minivan und begaben uns zur U-Bahn. Da wir an der Endhaltestelle einsteigen konnten, wurde uns die seltene Ehre zu Teil, auf der U-Bahn Linie 1 in Beijing einen Sitzplatz zu haben. Bei Einbruch der Dunkelheit kamen wir unversehrt wieder in unserem Zuhause an.
Terrassen in den Bergen

Terrassen in den Bergen

Die Quintessenz für uns war, dass sich der Ausflug durchaus lohnt, man sich allerdings der Dauer der Fahrt bewusst sein muss. Es würde sich sicher lohnen, die Nacht in 川底下村 oder Umgebung zu verbringen, wodurch man auch mehr Zeit hat, die Berge zu geniessen. Bestimmt ist der Rummel früh morgens und abends einiges geringer als tagsüber. Die beste Fahrtmöglichkeit ist aus unserer Sicht die Wahl des Sammeltaxis von 苹果园­, für welche man pro Person rund 25RMB bezahlen sollte. Taxifahrer verlangten initial bis zu 500RMB für Hin- und Rückfahrt, die Busfahrt mit der Linie 892 (nicht mehr 929, wie überall angegeben) soll 10RMB kosten, dauert allerdings einiges länger.