Xining: Ausser Spesen nichts gewesen

Nach Tagen auf der traditionellen Seidenstrasse war es wieder einmal Zeit für einen kleinen Abstecher. Diesmal nach Xining in die Provinz Qinghai. Obwohl auch am Wegenetz der Seidenstrasse gelegen, war für mich der Reiz für den Besuch der Stadt die multikulturelle Gesellschaft und die Möglichkeit ein Stückchen Tiber mitzunehmen. Soweit die Idee…

Da wir auf dem Weg von Jiayuguan nach Xining sowieso in Lanzhou umsteigen mussten, entschieden Tim und ich uns für den Aufenthalt in der Stadt für den Tag. Kurz vor sieben Uhr rollte der Nachtzug in Lanzhou ein und wir unterhielten uns über die Pläne. Da ich mittlerweile das rasche Reisen an meiner Gesundheit spürte, war ich gar nicht mehr so interessiert daran, Lanzhou zu besichtigen. Wir kauften uns trotzdem die Fahrtkarten für den Abend von Lanzhou nach Xining, deponierten unser Gepäck in der Gepäckaufbewahrung im Bahnhof und machten uns auf die Suche nach Frühstück.

Lanzhou: Ankunft um 7 Uhr morgens mit den Nachtzug

Lanzhou: Ankunft um 7 Uhr morgens mit den Nachtzug

Tim fand Gefallen an einer Nudelsuppe, welche anscheinend eine Spezialität aus Lanzhou ist. Mein Magen hatte keine Lust auf die chinesischen Saucen, so dass ich erst einmal von einem Frühstück absah. Mir war mehr nach Tee trinken, weshalb wir kurz darauf in eine erste Konditorei stolperten, damit ich meinen Tee trinken konnte. Eigenartigerweise war das einzige was es dort zum Trinken gab ein Tee mit Milch und Fruchtstückchen. Da wir beide müde waren und nicht an Ort und Stelle einschlafen wollten, machten wir uns weiter auf den Weg, um noch etwas besseres zu finden.
Das Bessere fanden wir dann in Form eines Teeshops. Wir steckten unsere Köpfe durch die Tür, um zu schauen, ob man dort auch Tee trinken könnte. Die drei Mädels luden uns sofort zum Tee trinken aus ganz kleinen Tässchen ein. Wohl zum Degustieren gedacht, durften wir grünen Tee trinken. Wir blieben eine ziemlich lange Zeit dort sitzen und unterhielten uns mit den neugierigen Chinesinnen, wobei wir unsere Chinesischkenntnisse hätten merklich verbessern können, wäre da nicht diese Müdigkeit gewesen.
Die Wasserräder am gelben Fluss in Lanzhou

Die Wasserräder am gelben Fluss in Lanzhou

Vom Teeshop wanderten wir weiter durch Lanzhou, über den Dongfanghong Platz zum gelben Fluss. Dort bestaunten wir die riesigen traditionellen Wasserräder, welche eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Lanzhou darstellen. Unser eigentliches Ziel war jedoch der Tempel der weissen Pagode jenseits des Flusses. Wir nutzten die nächste Brücke um ans andere Ufer zu kommen. Dort sah Tim einen Muslimen, der eine Art Knödel kochte und begrüsste ihn höfflich. Darauf hin wurden wir beide zum Essen eingeladen. Die Knödel waren mit einer süssen Masse gefüllt, wonach diese genaue schmeckte konnte ich allerdings nicht feststellen. Auf jeden Fall haben die Knödel geschmeckt.
Der Tempel befand sich etwas weiter dem Ufer entlang, weshalb wir eine Parallelstrasse zum Fluss wählten, um dorthin zu gelangen. Dabei stiessen wir einmal mehr auf einen grossen offenen Markt und verschiedene Moscheen. Da Tim sehr viel Zeit in den Moscheen verbringt und sich mit den Leuten dort austauscht, entschied ich mich, alleine weiter durch die Stadt zu laufen.
Einkaufen in Lanzhou: Nudeln

Einkaufen in Lanzhou: Nudeln

Das erste, was mir ins Auge fiel war die riesige Abrissfläche am Hügel. Anscheinend sind alle kleineren Gebäude der Abrissbirne zum Opfer gefallen und werden nun durch Hochhäuser mit zig Stockwerken ersetzt. Einmal mehr ein Zeichen der rücksichtslosen Modernisierung Chinas, wobei historische Viertel komplett ausradiert werden. Das einizige Gebäude, welches in dem Trümmerfeld noch stand, war die Moschee, welche gerade zu der Zeit zum Gebet besucht wurde. Die Hui, die chinesischen Muslime, bestaunten ebenfalls die riesige freigewordene Fläche und trauerten wohl dem nach, was da früher war.
Von der Baustelle folgte ich der Strasse weiter, bis ich auf den Tempelkomplex stiess. Ich hatte mit einem beeindruckenden Tempel gerechnet, aber nicht mit dem, was ich da vorfand. Ein riesiger Komplex mit zig Gebäuden bedeckte den ganzen Hügel direkt am gelben Fluss. Verschiedene bunte Tempel säumten den Abhang, während sich ganz oben auf dem Hügel die weisse Pagode befand.
Erneuerung in Lanzhou

Erneuerung in Lanzhou

Ich entschied mich in aller Gemütlichkeit die ganzen Gebäude zu erkunden und den Hügel zu erklimmen. Dadurch dass gerade Winter war, wurden einige Gebäude renoviert und waren nicht zu besichtigen. Auch an den Wegen wurde einiges getan, wobei ich irgendwie in eine abgesperrte Zone gelangte, ohne dies jedoch festzustellen.
Den etwas entfernteren Teil der Tempelanlage liess ich auf Grund meiner Gesundheit aus, konnte aber noch sehen, wie man von der weissen Pagode am effizientesten auf die andere Seite des gelben Flusses gelangt. Es gibt nämlich von der Pagode aus eine Seilrutsche, welche einem in einem Höllentempo zur Bergstation einer Seilbahn bringt, mit welcher man dann den gelben Fluss überqueren kann. Da ich allerdings einen anderen Teil des Parks auf dem Weg zurück zum gelben Fluss erkunden wollte, sah ich von einer Fahrt mit der Rutsche ab.
Tempel der weissen Pagode in Lanzhou

Tempel der weissen Pagode in Lanzhou

Wieder auf der Südseite des gelben Flusses machte ich mich gemächlich auf den Rückweg zum Bahnhof mit der Idee, noch das ein oder andere Teehaus zu besuchen. Dabei kam ich zunächst an einem grossen Park am Ufer des gelben Flusses vorbei, wo eine grosse Menschenmenge versammelt war. Einige ältere Herren spielten ihre Erhu, eine zweisaitige Violine, deren Klangkörper zwischen die Beine geklemmt wird. Die Musik war nicht direkt für mein Gehör gemacht, weshalb ich den Herren nicht lange meine Aufmerksamkeit schenkte. Etwas weiter wurden verschiedene Tänze geprobt. Aus verschiedenen Lautsprechern schallte unterschiedliche Musik, zu welcher entweder Pärchen einfach so tanzten oder aber man Tanzunterricht nehmen konnte. Direkt dahinter waren dann einmal mehr die Zocker am Werk. An kleinen mitgebrachten Tischchen wurde konzentriert Karten gespielt. Wie beihnahe überall auf der Welt auch wussten natürlich die Zuschauer am Besten, welche Karte gerade gespielt werden musste und wer gerade welchen Fehler gemacht hatte.
Tempel der weissen Pagode

Tempel der weissen Pagode

Auf meiner weiteren Wanderung fand ich dann eine Konditorei, wo ich mir ein süsses Teilchen genehmigte und eigentlich einen Tee trinken wollte. Anscheinend gab es dort aber keinen Tee, so dass ich schlussendlich einen Kaffee trank. Als ich dann gegessen und getrunken hatte und bereits das fünfte Mal eingenickt war, entschied ich mich den Rest des Weges zum Bahnhof hinter mich zu bringen. Auf der anderen Strassenseite hörte ich da plötzlich ein wildes Anfeuern und sah eine grössere Menschenansammlung. Die Belegschaft einer lokalen Klinik führte wohl gerade eine Art interne Olympiade durch. Deshalb wurde auf dem Bürgersteig vor der Klinik ein durchorganisiertes Seilziehen inklusive Schiedsrichter mit Pfeife und roter Fahne durchgeführt. Während die Herren am Seil ihre Kräfte massen, feuerten die Damen diese tatkräftig an.
Lanzhou im Dunst

Lanzhou im Dunst

Am Bahnhof traf ich dann wieder auf Tim und der Zug brachte uns in gut zweieinhalb Stunden nach Xining. Ein junger Chinese, welcher etwas Englisch sprach, war so nett uns dann bei der Auswahl des Busses zu helfen und koordinierte auch jemanden, der uns sagte wann wir auszusteigen hätten. Alles klappte einwandfrei bis auf die Tatsache, wie wir später herausfanden, dass wir beinahe direkt vor unserer geplanten Unterkunft eine Haltestelle gehabt hätten, nun aber rund einen Kilometer von dieser entfernt waren. Etwas umständlich erreichten wir das Lete Youth Hostel, wo wir uns die nächsten Tage aufhalten sollten.
Xining bei Nacht am Sylvesterabend

Xining bei Nacht am Sylvesterabend

Da meine Erkältung mittlerweile so stark war, dass ich erst einmal Ruhe brauchte, entschied ich mich, die nächsten Tage da zu bleiben und mich zu kurieren, anstatt weiter durch die Lande zu reisen. So wurde aus einem geplanten Aufenthalt von 2 Tagen einer von 5. Viel tat ich während dieser Tag nicht, ausser dass ich einige Medikamente einkaufte und mir immer wieder Essen besorgen musste. Zum Glück gab es allerdings unweit vom Hostel einige Restaurants sowie einen grossen Supermarkt. Am Dienstag dem 3. Januar entschied ich mich schliesslich, nach Xian weiterzureisen und für die Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag eine Zugfahrkarte zu kaufen.
Gefährliches Feuerwerk auf 6 Quadratmetern

Gefährliches Feuerwerk auf 6 Quadratmetern

Dank Google Maps wusste ich, dass es in einem Postgebäude im Stadtzentrum einen Fahrkartenschalter gab. Etwas umständlich fand ich das Gebäude. Vor dem Gebäude teilte mir ein Chinese mit, dass ich im ersten Stock Fahrkarten kaufen könnte. Also stieg ich die Treppe hoch und stand mitten in einer Post. Ich begann mich etwas umzuschauen, denn die Fahrkartenschalter hatten bisher immer gleich ausgesehen. Dies war hier jedoch anders. Zum Glück traf ich auf Brad, einen Amerikaner der seit zwei Jahren in Xining studiert, der mir weiterhelfen konnte. Leider war der Fahrkartenschalter nur bis 15:50 geöffnet, ich war also eine halbe Stunde zu spät. Die Dame sass zwar noch da, aber da liess sich nichts machen. Ein Polizist erklärt Brad aber, dass es in einem bestimmten Dabei Supermarkt bis 20 Uhr Fahrkarten geben würde. Er notierte mir auch die Adresse, mit welcher ich mir dann ein Taxi schnappen konnte. Der Fahrer lieferte mich ab und zeigte mir den Eingang.
Da ich die Fahrkartenschalter nicht sofort sah, fragte ich einen Sicherheitsbeamten nach Eisenbahn und er zeigte mir freundlich in welche Richtung ich zu gehen hatte. Die Dame am Schalter war mal wieder etwas schwerfällig, da sie nicht alle Informationen von meinem Zettel lesen wollte. Sie fand einmal mehr die Zugnummer, ich erklärte ihr, dass ich nach Xian wollte, was die auch verstand, aber beim Datum war einmal mehr zu viel verlangt. Zum Glück gab es wieder jemanden in der Schlange, der aushelfen konnte und so hielt ich wenig später stolz meine Fahrkarte in den Händen.
Feuerwerk zwischen den Häusern von Xining

Feuerwerk zwischen den Häusern von Xining

Den Weg zurück zum Hostel meisterte ich diesmal mit Stadtbussen, zunächst zurück ins Zentrum, wo ich in einem Restaurant etwas ass, und dann weiter zum Hostel. Den Mittwoch nutzte ich dafür, den Blog zu aktualisieren und mich ein bisschen auf Xian vorzubereiten, bevor ich mich um 18 Uhr auf den Weg zum Bahnhof machte.