Chinesisches Neujahr in Beijing

Die erste Woche im Jahr des Drachens ist bereits um. Das neue Jahr wurde mit viel, sehr viel Feuerwerk willkommen geheissen. Dabei nutzten die Chinesen die eine arbeitsfreie Woche auch für den Besuch der Familie und auch für den Besuch der vielen Märkte in der Hauptstadt.

Die Feierlichkeiten für den Beginn des neuen Mondjahres dauern in China zwei Wochen. Jeder Tag während dieser Zeit hat mindestens in traditionellen Familien seine eigene Bedeutung:

  • Vorabend zum Neujahr: Die Familie kommt zum gemeinsamen Abendessen zusammen.
  • Neujahrstag:Schon vor Mitternacht wird begonnen Feuerwerk abzufeuern um die bösen Geister aus dem alten Jahr zu vertreiben. Am Neujahrstag werden die älteren Mitglieder der Familien besucht.
  • 2. Tag: Töchter besuchen ihre Familien und Freunde werden ebenfalls besucht. Ausserdem werden dem Gott des Glücks Opfer dargebracht.
  • 3. Tag: Die Familien bleiben zu Hause, denn an diesem Tag ist die Gefahr sehr gross, dass man in einen Streit gerät.
  • 4. Tag: Am Tag der Götter werden Kerzen und Weihrauch angezündet, um die Götter im Haus willkommen zu heissen
  • 5. Tag: Die Geschäfte öffnen wieder und Tabus, wie zum Beispiel Haareschneiden, dürfen gebrochen werden. Um dem Gott des Glücks zum Geburtstag zu gratulieren, wird nochmals ordentlich Feuerwerk abgefeuert.
  • 6. Tag: Um den Gott der Armut zu vertreiben, werden alte Kleider und Müll entsorgt.
  • 7. Tag: Für ein langes Leben werden Nudeln, das chinesische Symbol dafür, gegessen.
  • 8. Tag: Traditionell der Tag der Hirse, an welchem den Kindern die Landwirtschaft näher gebracht wird.
  • 9. Tag: Zum Geburtstag erhält der Jade Kaiser, der oberste Gott des Taoismus, Feuerwerk.
  • 10. Tag: Der Gott des Steins feiert sein Geburtstag, weshalb keine Steine verschoben werden dürfen. Dem Gott wird mit Kerzen und Weihrauch gehuldigt.
  • 11. Tag: Mit den Resten des Geburtstagsfestes des Jade Kaisers laden die Schwiegerväter ihre Schwiegersöhne ein.
  • 12. Tag: Die Laternen für das Laternenfest werden vorbereitet.
  • 13. Tag: Mancherorts findet eine Laternenschau statt. Im Norden Chinas soll an diesem Tag nicht geheiratet werden.
  • 14. Tag: Beginn des Laternenfestes.
  • 15. Tag: Das Laternenfest beginnt mit Löwen- und Drachentänzen, bevor am Abend die Laternenumzüge stattfinden.

Viele Wünsche für das Jahr des Drachens

Viele Wünsche für das Jahr des Drachens

Während der ersten Woche im neuen Jahr finden ausserdem in den meisten Parks und in den Tempelanlagen Märkte statt. Diese sogenannten Tempelmärkte unterscheiden sich nur gering von den Jahrmärkten, welche man in Europa kennt. Wir haben in der vergangenen Woche drei dieser Märkte besucht: jenen im Chaoyang Park beinahe vor unserer Haustüre ,jenen im Taoranting Park im Süden Beijings und jenen im Dongyue Tempel auch in unserem Stadtteil Chaoyang.
Noch mehr Wünsche für das neue Jahr

Noch mehr Wünsche für das neue Jahr

Der internationale Markt im Chaoyang Park war für uns etwas enttäuschend. Der Park bietet zwar ein wunderschönes Ambiente, jedoch die Tatsache, dass es sich um einen internationalen Markt handelt führt dazu, dass diesen Markt sehr wenig von einem europäischen Markt unterscheidet. Besonderheiten waren die roten Laternen, welche an einigen Stellen an die Bäume gehängt wurden und das chinesische Essen, welches es an einigen Ständen zu kaufen gab. Viele der Stände verkauften aber internationale Köstlichkeiten, nicht gerade das, was wir suchten.
Vergnügen im Taoranting Park im Süden Beijings

Vergnügen im Taoranting Park im Süden Beijings

Bedeutend chinesischer war der Markt im Taoranting Park. Da dieser auch weit weg vom Stadtteil Chaoyang, dem „Ausländerstadtteil“ liegt, gab es wenige Langnasen zu sehen. Die Chinesen vergnügten sich primär an den Schiessbuden und an den Essensständen. Ebenfalls grossen Andrang fand der gefrorene See, auf welchem etwas wie ein Eisfahrrad gemietet werden konnte oder aber Stühle mit Kufen, wozu man Stöcke zum Antrieb erhielt. Die grosse Attraktion war eine Schneerampe, welche man auf LKW Schläuchen herunterrutschen konnte. Der Schnee musste allerdings künstlich erzeugt werden, kalt genug war es jedoch.
Zuletzt besuchten wir noch den Dongyue Tempel im Süden Chaoyangs. Hier handelte es sich um einen richtigen Tempelmarkt, denn die Stände waren in den unterschiedlichen Höfen des Tempels aufgebaut. Sehr viele Leute hatten sich hier auch Glückstafeln gekauft, welche sie an den Geländern und Bäumen des Tempels befestigten.
Feuerwerk zwischen den Hochhäusern

Feuerwerk zwischen den Hochhäusern

Das beeindruckenste Erlebnis allerdings war das Feuerwerk um den Jahreswechsel. Schon früh am Abend an „Silvester“ hatten einige Leute begonnen die ersten Kracher abzufeuern. Um Mitternacht begann allerdings die Stadt zu beben. Es gibt in Beijing kein offizielles Feuerwerk, die Chinesen wollen die bösen Geister des vergangen Jahres lieber selber vertreiben. Dafür kauft sich jeder, der es sich leisten kann, mindestens ein komplettes Feuerwerk in einer Kiste. Je nach Grösse dauert dieses private Feuerwerk dann etwas länger oder etwas weniger lang. Das Feuerwerk wird dort gezündet, wo es gerade am besten passt. So waren wir ziemlich erschrocken, als direkt vor unserem Fenster im achten Stockwerk die Raketen explodierten. In jeder Strasse, an jeder Hausecke wurden die Geister vertrieben, so dass man sich beinahe im Krieg wähnte, da die Knaller aus allen Richtungen kamen. Am Horizont sah man zwischen allen Häusern bunte Blumen und andere Figuren aufsteigen.
Feuerwerk direkt vor dem Balkon (der Fotograf hat überlebt)

Feuerwerk direkt vor dem Balkon (der Fotograf hat überlebt)

Die ganze Woche über wurde noch weiter Feuerwerk gezündet, jedoch weniger und weniger, bis zum Freitag, als die Chinesen den Gott des Glücks auf sich aufmerksam machten. Da krachte es nochmals richtig in allen Strassen.