Teheran: Chaos auf den Strassen

Nach meiner langen Zugfahrt aus der Türkei bis nach Teheran galt es in den folgenden drei Tagen Teheran, die Hauptstadt des Irans, zu erkunden. Die Stadt hat einen ganz eigenen Charakter, der die Menschen im Iran sehr gut widerspiegelt.

Nach einem guten Schlaf und einem ausgiebigen Frühstück, machte ich mich am Mittwoch auf meine obligate Runde durch die Stadt. Den Stadtplan hatte ich mir gekauft, um den Weg zurück auch sicher wiederzufinden und erst einmal die Strasse mit den Wechselstuben mit den besten Kursen zu finden.
Im sehr guten und zentral gelegenen Hotel Firouzeh trifft sich ein Grossteil der Reisenden in Teheran. Dadurch konnte ich schon einige interessante Tatsachen über Teheran im voraus in Worten aufnehmen, was ich später in den Strassen dieser Stadt beobachten konnte. Im südlichen Teil des Stadtzentrums, dem älteren Teil der Stadt, sind die Geschäfte in den Strassen jeweils nach Angebot entstanden. Das bedeutet, dass zum Beispiel in der Amir Kabir Strasse, in deren Nähe mein Hotel liegt, über mehrere Häuserblocks das ganze Zubehör für Motorräder und Autos angeboten wird. Etwas weiter um die Ecke gibt es dann Angelzubehör, gefolgt von Badeinrichtung bis man dann um einige weitere Ecken bei den Wechselstuben ankommt. Dies ist sehr praktisch, denn der beste Wechselkurs kann so mit wenigen Schritten ermittelt werden.

So weit die Theorie

So weit die Theorie

Doch erst muss man zu seinem gewünschten Ziel kommen, was durchaus eine Herausforderung sein kann. In der Türkei galt auf den Strassen das Faustrecht, abgeleitet von den Pferdestärken des Fahrzeuges. Dieses Faustrecht wurde auch knallhart durchgesetzt. In Teheran herrschen da andere Gesetze, die um einiges subtiler sind. Als Fussgänger gilt es primär auf die vielen vorbeiflitzenden Motorräder aufzupassen, denn diese bremsen nur im äussersten Notfall und dieser kommt sehr selten vor. Vor einen Bus sollte man als Fussgänger auch nicht spazieren, Autos sind da schon unproblematischer. Wichtig ist vor allem eines: hat man seine Lücke zur Üeberquerung der Strasse gefunden, darf nicht mehr gezögert werden, sondern dann muss die Strasse bestimmt mit strammem Schritt überquert werden. Es sei denn es kommt ein Bus oder ein Motorrad. Wichtig ist auch zu merken, dass die Motorräder auch bei roter Ampel über die Kreuzung brausen, sie auch gerne einmal gegen den Verkehr fahren oder sogar auf dem Bürgersteig auftauchen können. Hie und da gibt es in Einbahnstrassen auch Busspuren in der Gegenrichtung, auch da ist Vorsicht geboten.
Moschee in Teheran: orientalische Architektur

Moschee in Teheran: orientalische Architektur

Meinen Mittwochsspaziergang nutzte ich unter anderem um diese Erkenntnisse zu gewinnen. Mithilfe des Stadtplans habe ich auch einige Parks und Sehenswürdigkeiten besucht.
Golestan Palast: bemalte Fliessen aussen

Golestan Palast: bemalte Fliessen aussen

Am Donnerstag stand dann zielgerichtetes Sightseeing auf dem Programm. Eines der Ziele war, die verschiedenen Verkehrsmittel in Teheran auszuprobieren. Ich begann mit einem Spaziergang zum Golestan Palast, bei den Einheimischen als Arg, dem Provinzhauptsitz bekannt. Der Palast diente den Shas der Qajar Dynastie als Wohn- und Regierungssitz und wurde über die Jahrhunderte stetig ausgebaut. Der Palast bietet eine traditionelle Architektur inmitten einer modernen Stadt mit über 13 Millionen Einwohnern. Das für mich besonders beeindruckende, war die Dekoration der Innenräumen mit kleinen Spiegeln. Dies führt dazu, dass sich das Aussehen des Raumes mit jedem Schritt ändert, da immer wieder andere Spiegelchen aufblitzen.
Golestan Palast: Spiegel innen

Golestan Palast: Spiegel innen

Auf den Golestan Palast folgte der Besuch des Basars in Teheran. Hierbei handelt es sich nicht um ein Gebäude ein Einkaufszentrum, sondern der Basar von Teheran stellt einen ganzen Stadtteil dar. Entsprechend ist auch der Einfluss der Händler. Anders als in den weiteren Strassen der Stadt, drängen sich hier jedoch nur Fussgänger, dafür umso mehr davon. An Waren wird hier wieder alles geboten, von den künstlichen Blumen, über Perücken und Haushaltselektronik, bis hin zu Ersatzteilen aller Art. Es ist hier die etwas ärmere Kundschaft, welche zum Einkauf kommt, der teurere Norden der Stadt bietet dann Geschäfte, wie sie unsereins kennt.
Einkaufen in Teheran: dichtes Gedränge im Basar

Einkaufen in Teheran: dichtes Gedränge im Basar

Nach dem Basar stand der Besuch des Shahr Parks auf meinem Programm. Teheran kann sehr gut zu Fuss erkundet werden, jedoch drängt sich das ein oder andere Mal die Verwendung eines der zalhreichen verfügbaren Verkehrsmittel auf. Vor dem Basar wurde ich von einer „Motorrad-Gang“ gebeten ein Foto von einem ihrer Kollegen zu machen. Dies tat ich dann und nahm sogleich auch den Service von Muhammad in Anspruch, um die Strecke zum Park zurückzulegen. Macht schon Spass, mit dem Motorrad kreuz und quer durch den Verkehr zu flitzen.
Einkaufen in Teheran: Tücher aller Art

Einkaufen in Teheran: Tücher aller Art

Nach der Besichtigung des Parks nahm ich dann die U-Bahn zur Haltestelle Azadi. Da habe ich gelernt, dass die Iraner die Geschlechtertrennung, wie sie teilweise gefordert ist, auch nicht immer so ernst nehmen. Es gibt nämlich in der U-Bahn einige Wagen, welche exklusiv für Frauen reserviert sind. Mir war nicht ganz klar, was die Männer in diesen Wagen verloren hatten. Als ich dann das erste Mal mit der Menge in eine U-Bahn gespült wurde, wusste ich weshalb.
Mein kleines Versehen war dann, dass die U-Bahn Haltestelle Azadi gar nicht am Azadi Platz lag, sondern dass da noch eine grosse Distanz dazwischen lag. Diese bewältigte ich dann wieder auf einem Motorrad.
Muhammed und sein treuer Gaul: mein Fortbewegungsmittel zwischen Basar und Shahr Park

Muhammed und sein treuer Gaul: mein Fortbewegungsmittel zwischen Basar und Shahr Park

Der Azadi-Turm wurde im Jahre 1971 zum Gedenken des 2500-jährigen Bestehens des persischen Reiches erbaut. Heute gibt es im Fundament des Turmes eine sehr interessante Mineralien Ausstellung, in welcher man den bearbeiteten und den unbearbeiteten Zustand verschiedener wertvoller Steine betrachten kann. Mein Ziel lag allerdings etwas höher: ich wollte die Aussicht vom Turm aus geniessen.
Azadi Turm zur Feier des 2500-jährigen Bestehens des persischen Reichs

Azadi Turm zur Feier des 2500-jährigen Bestehens des persischen Reichs

Auf den einen Turm folgte der nächste: mit dem Taxi machte ich mich auf den Weg zum Milad Turm, dem 5. oder 6. höchsten Fernsehturm der Welt (abhängig davon, ob man den Tokyo Sky Tree, welcher kurz vor der Eröffnung steht, schon mitzählt oder nicht). Den Turm bezwingt man mit Schindler’s Lift aus der Schweiz, was einem voll stolz erklärt wird, mit einer Geschwindigkeit von 7m/s, die man auch auf 10m/s erhöhen könnte. Die Aussicht auf die Stadt und die Berge im Norden ist fantastisch. Die Stadt ist so gross und so toll in eine Smog-Wolke gehüllt, dass man den Stadtrand im Osten, Süden und Westen nicht sehen kann, sondern sich die Stadt im Smog auflöst. Im Norden ragen allerdings die verschneiten Viertausender des Irans in den Himmel. Hätte ich etwas mehr Zeit, hätte ich mir einen Tag Skifahren gegönnt. So fahre ich dann bald Richtung Süden, um hoffentlich das T-Shirt wieder auszupacken.
Aussicht vom Milad Turm: der Nordenwesten von Teheran

Aussicht vom Milad Turm: der Nordenwesten von Teheran

Vom Milad Turm nehme ich dann den nächstbesten Bus zur Metro, um mit dieser wieder zum Imam Khomeini Platz und schlussendlich zu meiner Unterkunft zurückzukehren.
Am Freitag folgte dann meine erste Einladung zu Iranern. Lenka’s Arbeitskollegin Aida stammt ursprünglich aus Teheran, wo ihre Mutter heute noch lebt. Mit ihr hatte ich ausgemacht, dass wir uns an meinem, Geburtstags zum Mittagessen treffen. Sie traf dann nicht alleine ein, sondern brachte ihren Nachbarn Ali mit. Zum Mittagessen waren wir in einem gut besuchten Restaurant um Dizi, eine lokale Spezialität auszuprobieren. Dabei wird Lammfleisch mit Fett über 5-6 Stunden in einer Suppe eingekocht. Die Suppe wird als Vorspeise gegessen und das Fleisch und das Fett zusammen mit einer Art Mörser zerstampft. Dies gibt ein Pürée, welches dann mit unterschiedlichen Saucen und mit dem iranischen Fladenbrot gegessen wird. Dazu gibt es rohe Zwiebel und eine Art Rucola Salat, sowie Zitronen, welche über jedes beliebige Bestandteil des Essen gepresst wird. Das Essen schmeckt vorzüglich, war aber leider auf Grund der Beliebtheit des Restaurants leider etwas hektisch…
Anschliessend fuhren wir zum Haus wo die beiden wohnen, wo ich mich erst über längere Zeit mit Ali austauschte, bevor wir wieder zu Aida’s Mutter gingen, um einen Tee zu trinken. Danach hiess es von Aida’s Mutter auch schon wieder Abschied nehmen, da sie noch weitere Verpflichtungen hatte.
Ali(baba) ohne Räuber

Ali(baba) ohne Räuber

Ali zeigte mir dann iranische Kunst, zunächst fuhren wir zusammen zur 6. nationalen Skulptur-Biennale, gefolgt von einem Besuch einer kleinen Galerie. Zum Abendessen landeten wir in Ali’s Wohnung, wo wir noch Besuch von einem alten Bekannten von Ali bekamen, welcher mit Frau und Kind unterwegs war. Weitere interessante Gespräche folgten zunächst in der Viererrunde, später wieder zu weit. Ali hat schon einige Länder bereisen können und wir haben Fotos ausgetauscht. Er hatte sehr interessante Bilder unter anderem von Bratislava geschossen. Da gab es viel Gesprächsstoff.
Sehr interessant waren auch seine Meinungen und sein Wissen über den Iran und die politische Situation in seinem Land. Der Iran leidet an ähnlichen Problemen wie die westlichen Länder auch. Es gibt sehr viele Schafe, welche einem Hirten hinterherlaufen und nicht verstehen, warum dies gut oder schlecht ist. Würde allerdings eine Ónderung im Iran kommen, wären wir im Westen alle überrascht, wie diese Aussehen würde, denn man ist vom Westen gar nicht überzeugt. Man sieht einige Vorteile, sieht jedoch auch viele Schwächen und hinterfrägt gerade in der aktuellen Situation nach Finanz- und Schuldenkrise, wie es im Westen weitergehen soll.
Spät nachts fuhr er mich dann zurück zu meinem Hotel, wo ich mich über die vielen Geburtstagswünsche per E-Mail, Skype und Facebook freute und dann müde ins Bett fiel.
Am Samstag hiess es dann Rucksack packen und die erste Reise mit dem Bus im Iran antreten. Mit einem Reisenden aus Singapur machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof, wo wir gleich von den unterschiedlichsten Leuten nach unserem Reiseziel gefragt wurden. Kaum auf dem Busbahnhof eingetroffen, sassen wir auch schon im Bus nach Kashan, welcher nur auf uns gewartet hatte, bevor er losfuhr.