Verkehrte Welt

In Mostar hatte ich den Hinweis erhalten, dass ich in Montenegro auf jeden Fall die Stadt Budva besuchen soll. Die Stadt ist mit dem Bus aus Dubrovnik einfach zu erreichen, es gibt einen direkten Bus. Den Informationen, welche ich im Internet gefunden habe, zu folge, sollte es aber vorkommen, dass der Busfahrer unter Umständen keine Lust haben könnte, bis nach Budva zu fahren.

Als ich den Bus sah, welcher mich an die montenegrinische Küste bringen sollte, hatte ich allerdings keine Bedenken, dass hier irgendetwas faul sein könnte. Guten Mutes stieg ich ein und überpünktlich fuhr der Bus auch schon los. Eigenartig fand ich dann allerdings schon, dass nach einer Viertelstunde Fahrzeit, gerade ausserhalb von Dubrovnik, die erste ausgiebige Pause eingelegt wurde. Zugegeben, die Aussicht von diesem Parkplatz auf die Stadt war grossartig. Es gab keine Durchsage und die Pause dauerte und dauerte. Plötzlich stand ein zweiter Bus selber Bauart mit selben Ziel neben uns. Dann hiess es umsteigen!
Die Fahrer luden das Gepäck um, während die Passagiere in den etwas älteren und enger bestuhlten Bus umstiegen. Nach wenigen Minuten war die Aktion erledigt und wir fuhren weiter. Was war geschehen? Ganz genau weiss ich es nicht, allerdings ist ein voller Bus effizienter als zwei halbvolle.
Nach kurzer Zeit standen wir dann an der Grenze zu Montenegro und ich erhielt den zweiten Stempel in meinen Reisepass. Nach welche Kriterien gestempelt wird, habe ich noch nicht verstanden, da es bei der ersten Einreise nach Kroatien einen gab, in Bosnien und bei der Wiedereinreise nach Kroatien nicht, und jetzt bei der Einreise nach Montenegro habe es wieder einen Stempel.

Die Altstadt von Budva, Montenegro

Die Altstadt von Budva, Montenegro

Die Landschaft wurde wieder zunehmend schroffer und gebirgiger, und irgendwann bekam man den Eindruck man würde im Kreis fahren. Das war tatsächlich auch der Fall, denn in Montenegro befindet sich der grösste Fjord in Südeuropa. Es gibt zwar eine Fähre zur Abkürzung, der Bus nimmt jedoch die Route um den Fjord herum. Eine besondere Sehenswürdigkeit im Fjord ist das Kloster Banja bei Risan. Dieses Kloster bildet eine Insel, welche sich mitten im Fjord befindet.
Bibliothek der Zitadelle in Budva

Bibliothek der Zitadelle in Budva

Am südlichen Ende des Fjordes, in Kotor, war dann wieder grosse Bewegung im Bus. Beinahe alle Backpacker stiegen dort aus. Dies machte mich etwas nervös, hatte ich doch immer noch die Geschichten von den Busfahrern, die nicht mehr weiterfahren wollen, im Hinterkopf. In meinem Fall gab es allerdings kein Grund für Bedenken, denn der Bus brachte mich auch noch nach Budva. Was danach geschah, wissen die Götter.
Budva ist ein kleiner, aber feiner Ort an der Adria. Mir zunächst völlig unbekannt gibt es aber einige Touristen, insbesondere vom Balkan und aus Russland, denen der Ort gar nicht unbekannt ist. Ein Jacht im beschaulichen Hafen ist grösser als die andere. Nur die Fischerbötchen der Einheimischen gehen im Ganzen irgendwie unter… Besonders sehenswert ist die Altstadt von Budva mit ihren Kirchen und der Zitadelle. Von der Zitadelle bietet sich ein wunderbarer Blick über die Stadt, den Hafen und die Berge, welche sich hinter der Stadt auftürmen.
Aussicht von der Festung Kotor

Aussicht von der Festung Kotor: der grösste Fjord in Südeuropa

Da die vielen anderen Rucksacktouristen in Kotor ausgestiegen waren, dachte ich mir, dass an jenem Städtchen auch etwas Sehenswertes sein müsste. Auch in meiner Unterkunft in Budva, dem sehr schönen Montenegro Hostel, hängt ein Poster mit der Üebersicht über die Stadt. So entschied ich mich am Dienstag, die 40 Minuten im Bus zurück in die Richtung zu fahren, aus der ich am Vortag angereist war. Die Altstadt von Adria-Städtchen habe ich mittlerweile gesehen. Zwar bietet jede Altstadt wieder eigene Üeberraschungen, im Grossen und Ganzen sehen sich jedoch sehr ähnlich. Die grosse Besonderheit in Kotor ist jedoch die Festung oberhalb der Altstadt. Die Festungsmauern ziehen sich von der Altstadt bis hoch zur Festung. Hinter den Mauern verläuft eine Treppe, über welche man in gut einer halben Stunde bis zur Festung und der angeschlossenen Siedlung mit Kirche, wandern kann. Auf dem Weg zur und von der Festung war einiges an stöhnen nicht nur von Kindern zu hören.
Altstadt von Kotor

Altstadt von Kotor

Da die Temperaturen mittlerweile auch in Montenegro nachts bereits empfindlich tief fallen, wird es tagsüber trotz Sonnenschein auch nicht mehr ganz so warm. Um die 20°C mit einem kalten Wind so gerade noch so drin. Umso angenehmer war der Aufstieg zur Festung in der Sonne, da ich heute zwecks Wäsche mit kurzer Hose unterwegs war. Am Abend sollte es dann doch etwas frisch werden…
Am späteren Nachmittag habe ich mich dann mit den kommenden Tagen meiner Reise auseinandergesetzt. Meine weitere Planung sieht nun vor, Montenegro vorzeitig Richtung Albanien zu verlassen (Montenegro darf dafür bei der EM2012 weiterspielen und die Schweiz nicht…) und mich auf den Weg nach Shkoder zu machen. Von dort aus sollen einige Ausflüge möglich sein. Auf jeden Fall kann ich erste Erfahrung mit einem sehr beliebten Transportmittel in Albanien machen, den furgons.