Die D-Mark ist zurück!

Nach einer sehr geruhsamen Nacht in einer privaten Unterkunft konnte ich den Taxidienst meiner Gastgeber für die Fahrt nach Bihac in Bosnien und Herzegowina in Anspruch nehmen. An zentraler Stelle, direkt vor dem Hotel Park, wurde ich abgesetzt. Meine ersten Schritte auf bosnischem Boden.

Vielleicht weiss es der eine oder andere schon, für mich war es neu. Die von vielen Deutschen schmerzlichst vermisste Deutsche Mark gibt es noch. Aber nur inkognito! Da die Mark sehr wechselhaft ist taucht sie heute unter anderem Namen auf, doch der Name ist Programm: die Konvertible Mark (KM).
Die Konvertible Mark unterscheidet sich von der D-Mark in nur drei Eigenschaften:

  • Sie hat einen anderen Namen
  • Sie wird in einem anderen Land verwendet
  • Die Münzen und Banknoten sehen anders aus

Der Wechselkurs ist genau wie damals bei der D-Mark mit einem Faktor von 1,955 an den Euro gekoppelt.

Der Fluss Una

Der Fluss Una: Quell alles Lebens in der Gegend und Stolz der Einwohner

Dass ich in einem anderen Land angekommen war, wurde mir nach der Grenzkontrolle, welche überrraschend schmerzlos verlief, sehr schnell klar. Stand in Zagreb noch Kirche neben Kirche, wird man in Bosnien sofort von Minaretten begrüsst. Und zwar nicht wenigen. Jedes Dörfchen hat mindestens eine Moschee mit Minarett, meistens sind es jedoch mehrere. Da kam die Frage auf, was denn eigentlich ein Minarett von einem Kirchturm unterscheidet… ganz nüchtern betrachtet sind beides hohe Türme und beide machen hie und da Lärm.
Die St. Antons Kirche in Bihac

Die St. Antons Kirche in Bihac

Etwas weiteres, was mir speziell in der Gegend rund um Bihac auffiel, waren die Autos mit schweizerischem Kennzeichen. Ein Zeichen dafür, dass die Bosnier in der Schweiz, wohl mehrheitlich aus dem Westen des Landes stammen. In der Schweiz leben sie jedoch übers ganze Land verteilt, diesen Schluss lassen mindestens die Kennzeichen zu.
Meine erste Aufgabe nach Ankunft in Bihac war die Suche nach einer Unterkunft. Dies gestaltete sich hier relativ einfach, denn direkt neben dem Hotel gibt es seit 2 Monaten eine Touristeninformation für die Gegend rund um Bihac. Die Dame war dann auch entsprechend motiviert, mir möglichst viele hilfreiche Infos zukommen zu lassen und eben auch eine Unterkunft zu besorgen. Ich übernachtete wieder privat bei einem Bosnier, welcher die Kriegszeit in Deutschland verbracht hat. Entsprechend amüsant fand ich dann den pfälzer Dialekt, den er sich in der Zwischenzeit angeeignet hat. Auch er war äusserst zuvorkommend und hilfsbereit.
Die Haupteinkaufsstrasse in Bihac

Die Haupteinkaufsstrasse in Bihac

Die Stadt Bihac bietet selbst nicht wirklich viel. Ein Park am Fluss Una, eine Kirche, ein Mausoleum und eine Moschee. Auch gibt es eine kleine Einkaufsstrasse mit einigen Cafés und Restaurants. Lohnenswert wäre die Umgebung gewesen, jedoch nur mit eigenem Auto. Ich genoss die Stadt und die grüne Umgebung etwas zu Fuss und genehmigte mir dann eine kleine Mahlzeit in der Einkaufsstrasse. Schliesslich musste ich früh ins Bett, den der Bus nach Sarajevo schon um 7:30.
Vorsichtshalber habe ich mir aber keine Fahrkarte gekauft, wer weiss wann ich aufwachen würde. Allerdings hatte ich für die sechseinhalb Stunden Busfahrt vorgesorgt: einige bosnische Spezialitäten zum Essen, eine kleine Süssigkeit und eine Flasche Wasser mussten mit. Was auch gut so war. Insbesondere die Wasserflasche hat sich als grossartige Entscheidung erwiesen, denn der Busfahrer hat nur geschafft die Heizung einzuschalten, aber nicht wieder aus, geschweige denn die Klimaanlage einzuschalten. Am Morgen früh war das ja völlig in Ordnung so, gegen Mittag schmolzen dann alle Passagiere vor sich hin.
Spuren des Krieges

Spuren des Krieges in Donji Vakuf, Zentralbosnien

Umso wohler fühlte ich mich dann in Sarajevo angekommen, wo ich mich erstmal auf die Suche nach einer Unterkunft machen musste, nachdem mich mein Couchsurfing Gastgeber hat hängen lassen. Schade, denn die Idee vom Couchsurfing finde ich super: man hat einen Schlafplatz bei sich zu Hause und lässt wildfremde Leute da schlafen und kann diesen dann auch die eigene Heimat ein bisschen näher bringen. Genau dieses war mein Hintergedanke. Leider hat dies auf der bisherigen Reise nicht einmal funktioniert. Entweder war ich zu spät dran, oder aber die Leute hatten sich nicht gemeldet. Ich werde es auf jeden Fall weiterhin versuchen, denn der Pole, der heute mit mir ein Stück weit im Bus sass meinte, in Warschau würden die Gastgeber um die Gäste kämpfen… vielleicht muss ich in nächster Zeit mal durch Polen reisen.
Jetzt bin ich aber erst einmal in Sarajevo, der Gastgeberstadt der Winterolympiade von 1984, welche ich heute abend und morgen unsicher machen werde.